1. Grundmuster des Vortrags
Schulte baut jeden Themenblock nach Hegel auf: These (Pro-Windkraft-Position) - Antithese (seine Gegenposition) - Synthese. In jedem einzelnen Fall ist die Synthese gleich der Antithese. Es gibt keine echte Synthese im Hegelschen Sinne - die Gegenposition "gewinnt" immer.
Bemerkenswert: Im Vortrag formuliert Schulte vorsichtiger als in seinen YouTube-Videos. Er sagt "eindeutig wahrscheinlich" und "Indizien" statt "gesichert gesundheitsgefährdend" (Video 5). Er vermeidet Begriffe wie "Klimanationalismus", "Staatsfunk" und "Mietwissenschaftler", die in den Videos vorkommen. Mehrere Behauptungen aus den Videos - etwa der Rechenfehler bei Bisphenol A (Faktor 25 daneben) oder die 13,3 Billionen Euro (PwC-Studie sagt das Gegenteil) - tauchen im Vortrag nicht mehr auf. Schulte zeigte diese Website als eine seiner Quellen, die er angeblich widerlegt.
2. Behauptungen aus dem Vortrag
Behauptung 1: "18.000 Probanden" belegen Herzrisiko durch Windkraft
"Eine ganz aktuelle Studie aus Paderborn [...] 18.000 Probanden [...] deutlich erhöhte Inzidenz von Herzinsuffizienz und Rhythmusstörungen"
- Prof. Schulte, Vortrag Nottuln
Was nicht stimmt:
- Kein Paper, ein Kongressposter (P-15-07, DGIM-Kongress April 2026). Keine vollständige wissenschaftliche Begutachtung.
- Keine "Probanden". Es sind KV-Abrechnungsdaten (ICD-Codes) aus vier Gemeinden im Kreis Paderborn, per Informationsfreiheitsgesetz angefragt. Kein einziger Mensch wurde untersucht. Schulte räumt auf Nachfrage ein, dass es KV-Daten sind.
- Kein einziger Infraschall-Messwert in der gesamten Studie.
- Keine statistische Confounding-Kontrolle. Das Poster zeigt einen Altersvergleich für 2024 - aber keine Altersstandardisierung der Erkrankungsraten, keine multivariate Analyse, keine Kontrolle für Ärztedichte, Kodierverhalten oder Soziodemografie.
- Autoren fachfremd: Vahl (Herzchirurg, emeritiert) und Dietz (Unfallchirurg). Der Epidemiologe Prof. Wild ist nur in den Acknowledgments, nicht Co-Autor.
- Vahls Peer-Review-Arbeit zum Thema (Chaban et al. 2021) wurde in derselben Fachzeitschrift als methodisch ungültig widerlegt (Mueller et al. 2022) - die Laborpegel waren 10.000 bis 1.000.000 Mal höher als reale Windrad-Infraschallpegel.
Quellen: Poster P-15-07 (PDF), DGIM-Kongressprogramm, Mueller et al. 2022 (PMC9703817)
Behauptung 2: "Das UBA vergleicht mit Braunkohle"
"Der Vergleich war Braunkohle. [...] Wenn wir nach Frankreich gucken, dann amortisiert sich ein Windrad erst nach elf oder zwölf Jahren. Weil die nur 45 Gramm CO2 haben."
- Prof. Schulte, Vortrag Nottuln
Was nicht stimmt:
- Das UBA vergleicht NICHT mit Braunkohle. Die UBA-Methodik nutzt einen "Verdrängungsmix" - ein marktbasiertes Modell, das berechnet welche fossilen Kraftwerke (Braunkohle, Steinkohle, Erdgas, Öl) tatsächlich verdrängt werden (UBA Climate Change 03/2025, S. 22+28).
- Frankreich hat nicht 45 g/kWh. RTE (französischer Netzbetreiber) meldet für 2025: 19,6 g CO2/kWh. Schulte liegt um den Faktor 2,3 daneben.
- "11-12 Jahre" stimmt rechnerisch nicht mit den korrekten französischen Werten.
Quellen: UBA Climate Change 03/2025 (PDF, S. 22+28), RTE France 2025: 19,6 g/kWh
Behauptung 3: "In den meisten WEA über 1.000 kg Seltene Erden"
"In den meisten Windkraftanlagen weit über 1000 kg seltene Erden aus China."
- Prof. Schulte, Vortrag Nottuln
Was stimmt: 90% der Seltenen Erden kommen aus China (IEA 2024). Direct-Drive-Anlagen (z.B. Siemens Gamesa) brauchen ~1.000-1.200 kg Permanentmagnete pro 6 MW.
Was falsch ist: "Die meisten" stimmt nicht für Deutschland. Enercon, der deutsche Marktführer im Onshore-Bereich, nutzt null Permanentmagnete und null Seltene Erden - sie verwenden fremderregte Generatoren. Getriebe-Anlagen (z.B. Vestas, Nordex) brauchen rund 10x weniger als Direct-Drive.
Quellen: IEA: Critical Minerals 2024
Behauptung 4: "Deutschland einziges EU-Land" das Infraschall für harmlos hält
"Frankreich und Dänemark haben ihre Position schon geändert."
- Prof. Schulte, Vortrag Nottuln
Was nicht stimmt: Beide Länder halten dieselbe Position wie Deutschland:
- ANSES (Frankreich, 2017): "No health effects related to exposure to noise from wind turbines, other than discomfort related to audible noise."
- Dänische EPA: "Infrasound that is lower than hearing limits cannot harm health."
Schulte nennt keine Quelle für die angebliche Positionsänderung. Die offiziellen Stellungnahmen beider Länder sind öffentlich zugänglich und widersprechen seiner Behauptung.
Quellen: ANSES 2017 (Frankreich)
Behauptung 5: Frankreich hat Entschädigung für WEA-Anwohner "beschlossen"
"Frankreich hat Entschädigungen von 20.000-80.000 EUR beschlossen."
- Prof. Schulte, Vortrag Nottuln
Was nicht stimmt: Frankreich hat kein Entschädigungsgesetz für WEA-Anwohner. Es handelt sich um einzelne Gerichtsurteile (Toulouse 2021, Strasbourg 2024), bei denen Gerichte Entschädigungen für eine Mischung aus Wertminderung und Gesundheitsbeeinträchtigung zusprachen. Einzelne Urteile sind keine Gesetzgebung.
Zum Vergleich: Dänemark hat tatsächlich ein gesetzliches Entschädigungsschema (VE-loven, seit 2009). Dort liegt der Durchschnitt bei ~7.600 EUR pro Haushalt - weit unter den von Schulte genannten französischen Einzelfällen.
Quellen: Légifrance (kein Entschädigungsgesetz auffindbar), VE-loven (Dänemark)
Behauptung 6: Stockum ist Schwachwindstandort - "sinnbefreit"
"Mit dem Kubikgesetz ist Windkraft in Nottuln sinnbefreit. Der Kapazitätsfaktor steigt trotz Ausbau kaum - von 18% auf 22%."
- Prof. Schulte, Vortrag Nottuln
Was stimmt: Das Kubikgesetz (Leistung ~ Windgeschwindigkeit hoch 3) ist korrekte Physik. Mehr Wind = überproportional mehr Strom.
Was nicht stimmt:
- Moderne Anlagen sind für Schwachwind entwickelt. Die geplanten V172-Anlagen (266m Höhe) haben einen Rotordurchmesser von 172m - speziell für Standorte mit weniger Wind. In dieser Höhe weht deutlich mehr Wind als auf 100m (alte Anlagen).
- Betreiber rechnen selbst. Die Stadtwerke Münster bieten in EEG-Ausschreibungen 5,5 ct/kWh - kein Unternehmen investiert dreistellige Millionenbeträge an einem "sinnbefreiten" Standort.
- Das Kubikgesetz wirkt auch umgekehrt: Höhere Anlagen fangen mehr Wind, und dieser zusätzliche Wind bringt kubisch mehr Leistung.
Quellen: BNetzA Ausschreibungsergebnisse, Stadtwerke Münster: Nottuln
Behauptung 7: "Gewerbesteuer fließt erst ab Jahr 8-12"
"Die GmbH und Co.KG zahlt die ersten 8 oder 10 Jahre auch keine Gewerbesteuer [...] Ab Jahr 8, 10 oder 12 kommt der erste Euro."
- Prof. Schulte, Vortrag Nottuln
Was fehlt:
- Seit 2021: Die Gewerbesteuerzerlegung wird zu 90% nach installierter Leistung verteilt (§29 Abs. 1 Nr. 2 GewStG, Fondsstandortgesetz) - unabhängig vom Gewinn des Betreibers.
- Seit 2023: §6 EEG schreibt 0,2 ct/kWh an betroffene Gemeinden vor - ab dem ersten Tag der Einspeisung.
- Für Nottuln: Die Stadtwerke Münster nutzen zusätzlich §33 GewStG (abweichende Zerlegungsvereinbarung), damit die Wertschöpfung am Anlagenstandort anfällt - so bereits in Südlohn praktiziert (bestätigt durch Stadtwerke Münster, April 2026).
Quellen: §29 GewStG, §6 EEG
Behauptung 8: RWE macht "5,1 Milliarden Vorsteuergewinn"
"5,1 Milliarden Vorsteuergewinn in 2025 [...] 9% geht an Qatar und 6% an BlackRock"
- Prof. Schulte, Vortrag Nottuln
Was nicht stimmt: Die 5,1 Mrd. EUR sind das bereinigte EBITDA (Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) - nicht der Vorsteuergewinn. Der Nettogewinn lag bei 1,8 Mrd. EUR. Schulte übertreibt den Gewinn um den Faktor 2,8.
Was stimmt: Qatar hält 9,3%, BlackRock 5,9% der RWE-Aktien. 62% institutionelle Investoren aus dem Ausland. Aber: Das gilt für jedes DAX-Unternehmen mit internationalen Aktionären.
Was fehlt: Für Nottuln/Stockum ist der Betreiber die Stadtwerke Münster - ein 100% kommunales Unternehmen. Kein Qatar, kein BlackRock, kein RWE.
Quelle: RWE Shareholder Structure, RWE Pressemitteilung 12.03.2026
Behauptung 9: EEG bezahlt für nicht produzierten Strom
"Geniales Geschäftsmodell - Geld für nie gelieferte Kilowattstunden."
- Prof. Schulte, Vortrag Nottuln
Was teilweise stimmt: Bei Netzengpässen werden WEA abgeregelt und erhalten 95% Entschädigung (Redispatch). Das betrifft 3,5% der EE-Produktion (9,4 TWh in 2024).
Was Schulte verschweigt:
- Seit Februar 2025: Bei negativen Börsenpreisen entfällt die Vergütung bereits ab der ersten Viertelstunde (§51 EEG). Für alle Neuanlagen - auch die in Nottuln geplanten.
- Die Redispatch-Entschädigung existiert, weil der Netzausbau hinter dem Anlagenausbau zurückbleibt - ein Infrastrukturproblem, kein Windkraft-Problem.
Behauptung 10: "30.000 Haushalte versorgen" ist "sachlich falsch"
"Die Aussage ist einfach nur falsch [...] An ca. 60 Tagen werden die Anlagen komplett stillstehen."
- Prof. Schulte, Vortrag Nottuln
Was stimmt: Die 30.000 ist eine rechnerische Jahresgröße (Jahresproduktion geteilt durch Durchschnittsverbrauch). Mathematisch korrekt: 7 x 6,6 MW x ~2.200 Volllaststunden = ~102.000 MWh / 3.500 kWh = ~29.000 Haushalte. Die Stadtwerke schreiben "könnten" (Konjunktiv). "Sachlich falsch" übertreibt.
Was nicht stimmt: "60 Tage komplett still" ist nicht belegt. Ein Kapazitätsfaktor von ~22% bedeutet, dass im Jahresdurchschnitt 22% der Maximalleistung erzeugt werden - nicht, dass die Anlage 78% der Zeit steht. Auch bei schwachem Wind wird Strom produziert.
Quelle: Stadtwerke Münster: Windenergie
Behauptung 11: Nachrangdarlehen = "Finger weg!"
"Finger weg von einer Bürgerbeteiligung bei Windkraft! [...] Der Erwerb dieser Vermögensanlage ist mit erheblichen Risiken verbunden und kann zum vollständigen Verlust des eingesetzten Vermögens führen."
- Prof. Schulte, Vortrag Nottuln (Synthese zu Bürgerbeteiligung)
Was stimmt: Nachrangdarlehen sind nachrangig - bei Insolvenz werden sie zuletzt bedient. Die zitierte Risikowarnung ist gesetzlich vorgeschrieben (VermAnlG §13). Green City AG ist ein reales Beispiel (nachrangige Gläubiger erhielten nichts).
Was fehlt:
- Der Emittent in Nottuln ist die kommunale Nottuln.Wind GmbH - nicht ein anonymer Projektentwickler. Das verändert das Risikoprofil erheblich.
- Die gesetzliche Risikowarnung steht auf jedem Nachrangdarlehen - sie ist kein spezifisches Windkraft-Problem, sondern Anlegerschutz-Standard.
- Schulte vergleicht mit Prokon (Insolvenz durch Missmanagement) und Windreich (Bilanzbetrug) - das sind Einzelfälle mit kriminellem Hintergrund, nicht typische Windkraft-Projekte.
Quellen: VermAnlG §13 (Risikohinweise), beteiligung.nottuln.de
Behauptung 12: Infraschall-Klagen haben "100% Verlustchance"
"Wenn Sie mit Infraschall klagen, sagt Ihnen jeder vernünftige Anwalt, 100% verlieren Sie vor Gerichten aktuell."
- Prof. Schulte, Fragerunde
Schulte räumt ein, dass Infraschall als Berufskrankheit nicht anerkannt ist und Klagen aussichtslos sind. Das widerspricht seiner eigenen Darstellung in Video 5, wo er Infraschall als "gesichert gesundheitsgefährdend" bezeichnet. Wenn es "gesichert" wäre, würden Gerichte anders urteilen.
Vergleich: Behauptung 7 im Video-Faktencheck ("gesichert gesundheitsgefährdend")
Behauptung 13: Schulte räumt selektive Wahrnehmung ein
"Natürlich hat jeder, wie wir alle sitzen, selektive Wahrnehmung und wir nehmen gegebenenfalls bei der Quellenauswahl durchaus vor allen Dingen das wahr, was gegebenenfalls in den Narrativen im Kopf ist."
- Prof. Schulte, Fragerunde (auf Nachfrage von Leon Machens)
Ein bemerkenswertes Eingeständnis. In seinen Videos und im Vortrag selbst zeigt sich genau dieses Muster: Peer-reviewte Studien (RWI, PNAS, UBA) werden verworfen, während Kongressposter, Makler-Blogs und Meinungsartikel als Belege dienen.
Vergleich: Muster #10 im Video-Faktencheck (Peer-Review-Anspruch vs. eigene Quellen)
Behauptung 14: 200.000 tote Fledermäuse und 100.000 tote Vögel pro Jahr
"200.000 Fledermäuse und 100.000 bis 200.000 Vögel pro Jahr sterben an Windkraftanlagen."
- Prof. Schulte, Vortrag Nottuln
Was stimmt: Die Größenordnung ist durch Hochrechnungen belegt (Voigt et al. 2024, BioScience). Die Zahl gilt für Anlagen ohne Schutzmaßnahmen.
Was fehlt:
- Kein Vergleich mit anderen Todesursachen: Glasscheiben töten ~100 Mio. Vögel/Jahr in Deutschland, Katzen bis 200 Mio., Straßenverkehr ~70 Mio. Windkraft liegt bei 100-200.000 - ein Bruchteil.
- Abschaltalgorithmen verschwiegen: Abschaltung bei niedrigem Wind senkt die Fledermaus-Mortalität deutlich - bei nur 1-4% Ertragsverlust (Voigt et al. 2024). 60% der Bestandsanlagen laufen noch ohne diese Schutzmaßnahme - das Problem ist lösbar.
- Moderne Schutzsysteme: Gondelmonitoring + ProBat-Software sind seit 2014 Standard. KI-basierte Antikollisionssysteme (IdentiFlight, ProTecBird) erkennen Greifvögel auf bis zu 1.000m.
Quellen: NABU: Vogelgefährdungen, Voigt et al. 2024 (BioScience)
3. Was Schulte systematisch verschweigt
Neben den oben geprüften Behauptungen fällt auf, was Schulte in seinem Vortrag nicht erwähnt:
- Rückbaubürgschaft: Beim Thema Grundeigentümer-Haftung verschweigt Schulte die selbstschuldnerische Bankbürgschaft nach §35 Abs. 5 BauGB, die genau dieses Risiko absichert.
- Moderne Anlagen für Schwachwind: 266m-Anlagen mit 172m Rotor sind speziell für Standorte wie Stockum entwickelt - kein Betreiber investiert an "sinnbefreiten" Standorten.
- Lokale Immobilienpreise: Schulte warnt vor 40-50% Wertverlust und stützt sich auf Makler-Schätzungen. Peer-reviewte Studien zeigen ein differenzierteres Bild: Die RWI-Studie (2019, Angebotspreise) fand 7% Durchschnitt bei 1 km, die Berkeley/PIK-Studie (2024, echte Transaktionsdaten) fand einen temporären Effekt, der sich nach 3 Jahren erholt - für nach 2017 errichtete Anlagen kein signifikanter Effekt mehr. Lokal in Nottuln: Die amtlichen Transaktionsdaten des Gutachterausschusses Kreis Coesfeld zeigen, dass Nottuln trotz bestehender Windräder (seit ~2005) preislich im Mittelfeld der Nachbargemeinden liegt. Bereits 2013 protestierte die BI "Schöne Aussichten" gegen Windräder - ein Preiseinbruch auf Gemeindeebene ist nicht erkennbar. Das schließt lokale Wertminderungen für einzelne Häuser in unmittelbarer Nähe nicht aus, widerspricht aber den pauschalen 40-50%. Einschränkung: Die Daten sind auf Gemeindeebene, nicht nach Ortsteilen aufgeschlüsselt.
Quellen: Grundstücksmarktbericht 2026, Kreis Coesfeld (PDF, amtliche Transaktionsdaten)
4. Fragerunde - Highlights
Falsche Zahlen aus dem Publikum
Eine Zuhörerin behauptete, der Anteil erneuerbarer Energien am Strommix liege bei "circa 10%" und Deutschland zahle "590 Millionen Euro pro Tag" an Subventionen. Beide Zahlen sind grob falsch: Der EE-Anteil an der Bruttostromerzeugung lag 2025 bei 58,6% (Destatis). Die genannte Subventionssumme ist nicht nachvollziehbar. Niemand im Saal korrigierte - auch Schulte nicht.
"Dünnerei von Fakten ist Nonsens"
Ein Zuhörer sagte wörtlich, "diese ganze Dünnerei von irgendwelchen Fakten" sei für ihn "Nonsens". Schulte antwortete: "Möchte ich zu gewissen Teilen unterstreichen" und lenkte auf den Wertverlust der Kulturlandschaft. Der Aussage, dass Fakten Nonsens seien, widersprach er nicht.
Dezibel-Erklärung: 300.000-fache Schallintensität
Aus dem Publikum wurde darauf hingewiesen, dass die Laborexperimente zu Infraschall (Salt & Lichtenhan) bei 130+ Dezibel durchgeführt wurden, während bei Anwohnern von Windkraftanlagen maximal 55-75 Dezibel gemessen werden. Da Dezibel logarithmisch ist, entspricht dieser Unterschied dem 300.000-fachen Schallintensität - nicht "fast doppelt so viel".
Der Vergleich: Das ist so, als würde man die Gefährlichkeit von Wasser damit beweisen, dass man jemanden untertaucht - und dann behaupten, Regen sei tödlich.
Schulte wich auf eine andere Studie aus (Kaula 2026, publiziert bei ESMED/Medical Research Archives - kein Impact Factor, nicht in PubMed) und räumte ein, diese sei "noch nicht Peer-Review".
5. Einordnung
Neben den oben dokumentierten Behauptungen wurden weitere Aussagen aus dem Vortrag gegen Originalquellen geprüft. Das Ergebnis ist gemischt: Einige Punkte sind korrekt oder teilweise korrekt, ein erheblicher Teil ist irreführend oder falsch, und mehrere Behauptungen ließen sich nicht unabhängig prüfen.
Schulte hat in einzelnen Punkten berechtigte Anliegen: Die Unterfinanzierung von Rückbausicherheiten bei Altgenehmigungen ist real. Die Risiken von Nachrangdarlehen sind korrekt dargestellt. Und seine Kritik, dass "Jeder Euro bleibt in der Region" eine Vereinfachung ist, ist berechtigt - das wurde auf dieser Website entsprechend korrigiert.
Das Gesamtbild zeigt jedoch dasselbe Muster wie in den Videos: Korrekte Teilaspekte werden mit stärkerer Wortwahl präsentiert als die Quellen hergeben, bestehende Schutzmaßnahmen und aktuelle Gesetzesänderungen werden nicht erwähnt, und die "Synthese" ist in jedem Block identisch mit der Antithese.
Faktencheck: 18 Behauptungen aus Schultes YouTube-Videos