Was sagt die Forschung - und was bedeutet das konkret für Nottuln?
Eine aktualisierte RWI-Studie (Heuer & Sommer, SSRN #4918064) untersuchte rund 4 Millionen Immobilienangebote auf ImmoScout24 von 2009 bis 2021.
Ergebnis: Immobilien mit einer WEA im Umkreis von 1-2 km sind durchschnittlich 1,8% günstiger. Ab 3 km ist kein Effekt mehr nachweisbar. Der Effekt ist bei älteren Immobilien und in weniger dicht besiedelten Gebieten größer.
Methodik: Angebotsdaten (ImmoScout24), 2009-2021. Zum Vergleich: Die RWI-Studie von 2019 nutzte Transaktionsdaten von 2007-2015 und fand höhere Werte (7%/23%).
Eine große US-Studie (Proceedings of the National Academy of Sciences, 2024) untersuchte speziell Häuser mit direktem Blick auf Windräder.
Ergebnis: Der Wertverlust erreicht seinen Höhepunkt nach etwa 3 Jahren und erholt sich danach. Für nach 2017 errichtete Anlagen war kein signifikanter Preiseffekt mehr messbar.
Die Forscher erklären das mit zunehmender gesellschaftlicher Gewöhnung an Windenergieanlagen.
Eine niederländische Studie (Dröes & Koster, Energy Economics, 2021) ist die einzige Studie, die nach Anlagenhöhe differenziert.
Ergebnis: Bei Anlagen über 150m Höhe beträgt der Wertverlust im Umkreis von 2 km durchschnittlich -5,4%. Bei kleineren Anlagen ist der Effekt geringer.
Einordnung für Nottuln: Die in Stockum geplanten Anlagen haben eine Gesamthöhe von ca. 266 m. Alle oben genannten Studien basieren auf Daten zu Bestandsanlagen, die zum Zeitpunkt der Erhebung typischerweise 100-200 m hoch waren. Zur Auswirkung moderner Anlagen dieser Größenordnung auf Immobilienwerte gibt es noch keine belastbare Forschung.
In lokalen Diskussionen werden häufig die Zahlen der RWI-Studie von 2019 genannt. Sie untersuchte rund 3 Millionen Immobilientransaktionen zwischen 2007 und 2015.
7% Durchschnitt: Gilt für alle Gebäudetypen innerhalb von 1 km. Der Effekt nimmt mit der Entfernung ab.
Bis 23%: Gilt für Altbauten mit Baujahr vor 1950 im ländlichen Raum innerhalb von 1 km.
Siedlungstyp: Laut RWI sind "alte Häuser" und solche "in ländlichen Gebieten" am stärksten betroffen. Neuere Studien (u.a. PNAS 2024) zeigen teils abweichende Ergebnisse zur Rolle des Siedlungstyps.
0% ab 8-9 km: Ab dieser Entfernung kein statistisch signifikanter Effekt.
Einordnung: Die Studie basiert auf Daten von 2007-2015, als Anlagen typischerweise 100-150 m hoch waren. Die aktualisierte RWI-Studie von 2024 mit Daten bis 2021 findet mit 1,8% einen niedrigeren Durchschnittswert - bei anderer Methodik (Angebots- statt Transaktionsdaten).
Daten: Zensus 2022 (100-m-Gitterzellen, Statistisches Bundesamt). Dargestellt: alle Zellen im 2-km-Radius der geplanten WEA. Farbe zeigt die dominierende Baualtersklasse.
Kernbefund: Von 187 Gebäuden mit Zensus-Daten im 1-km-Radius ist keines mit Baujahr vor 1950 erfasst. Allerdings sind 45 Gitterzellen mit Einzelhöfen komplett unterdrückt (§16 BStatG) - deren Baujahr geht aus den Zensus-Daten nicht hervor.
2.419 Gebäude mit bekannten Daten im 2-km-Radius. Zusätzlich 114 komplett unterdrückte Zellen. Quelle: Zensus 2022, 100-m-Gitterzellen.
Nächste geschlossene Wohnsiedlung zu WEA 5 (ca. 650 m). Habichtweg, Bussardweg, Falkenstraße, Drosselweg.
Baujahre 1980er-2000er. Liegt innerhalb des 1-km-Radius.
Historische Münsterländer Bauerschaften. 45 Gitterzellen im 1-km-Radius sind komplett unterdrückt (§16 BStatG) - dort stehen Einzelhöfe mit unbekanntem Baujahr.
14 Gitterzellen im Gesamtbereich haben dominant alte Gebäude (vor 1950).
187 Gebäude mit bekannten Zensus-Daten innerhalb von 1 km. Davon keines mit Baujahr vor 1950 erfasst, 92,5% nach 1990 gebaut.
Zusätzlich 45 unterdrückte Zellen mit Einzelhöfen, deren Baujahr unbekannt ist.
Geplant: "Niederstockumer Weg" mit ca. 250 Wohneinheiten. Die Bauleitplanung für das Wohngebiet (B-Plan 161) und die WEA-Genehmigung (BImSchG) sind separate Verfahren.
Die geplanten WEA sind nicht Bestandteil der Bauleitplanung für das Neubaugebiet.
Der Wert "bis 23%" stammt aus der RWI-Studie von 2019 und gilt für Altbauten vor 1950 im ländlichen Raum innerhalb von 1 km. Von 187 Gebäuden mit Zensus-2022-Daten im 1-km-Radius ist keines mit Baujahr vor 1950 erfasst. Für 45 Gitterzellen mit Einzelhöfen sind die Baujahre allerdings unterdrückt (§16 BStatG). Eine aktualisierte RWI-Studie von 2024 (Daten bis 2021) findet einen Durchschnittseffekt von 1,8% in 1-2 km Entfernung.
Die tatsächliche Auswirkung hängt von Entfernung, Gebäudealter und Lage ab. Von den 187 Gebäuden mit bekannten Daten innerhalb von 1 km sind 92,5% nach 1990 gebaut. Für 45 Gitterzellen mit Einzelhöfen sind die Baujahre unbekannt. Ab 3 km (RWI 2024) bzw. 8-9 km (RWI 2019) ist kein Effekt messbar. Neuere Forschung (PNAS 2024) zeigt zudem, dass sich Preise nach wenigen Jahren erholen.
Diese Zahlen lassen sich mit keiner wissenschaftlichen Studie belegen. Die RWI-Studie von 2019 (3 Mio. Transaktionen) kommt auf maximal 23% - für Altbauten vor 1950 im ländlichen Raum innerhalb von 1 km.
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