Faktencheck: Prof. Dr. Andreas Schulte

Faktencheck "Gegenwind: Windkraft im Wald"

Stand: 04.05.2026
Status: Vortrag fand am 29.04.2026 statt (Forum Rupert-Neudeck-Gymnasium, ca. 100 Besucher). Faktencheck des Vortrags hier.
Recherche-Grundlage: YouTube-Kanal CumTempore (Stand April 2026), Fachagentur Wind und Solar, UBA, WHO, Correctiv, JUWI, EnBW, KEA-BW, NABU, DLR, Fraunhofer IWES, taz, Klimareporter, JASA, Joule
Hinweis zur Fairness: Am 13. April 2026 habe ich Prof. Dr. Schulte eine Anfrage zu diesem Faktencheck geschickt. Eine Antwort ist nicht eingegangen. Im Vortrag am 29.04. in Nottuln zeigte Schulte diese Website als eine der Quellen, die er widerlegt - ging aber inhaltlich nicht auf den Faktencheck ein. Sollte eine Stellungnahme kommen, wird sie hier eingearbeitet.
Dieses Dokument enthält ausschließlich Informationen aus öffentlich zugänglichen Quellen. Jede Behauptung ist mit einer konkreten Quelle belegt. Der Faktencheck prüft achtzehn zentrale Behauptungen aus Schultes YouTube-Serie "Gegenwind: Windkraft im Wald" (fünf Videos).

1. Zusammenfassung (TL;DR)

Prof. Dr. Andreas Schulte (pensionierter Forstwissenschaftler, WWU Münster) veröffentlicht auf YouTube die Serie "Gegenwind: Windkraft im Wald". Gegenwind Nottuln hat ihn für einen Vortrag am 29.04.2026 eingeladen. Dieser Faktencheck prüft achtzehn Kernbehauptungen aus fünf Videos der Serie.

ErgebnisAnzahl
Quellenaussage umgekehrt oder falsch dargestellt3
Rechenfehler oder falsche Zahlen3
Weit über wissenschaftlichem Konsens3
Korrekte Daten, aber fehlender Kontext oder stärkere Wortwahl als die Quellen6
Im Kern zutreffend3

Schulte hat in einzelnen Punkten berechtigte Anliegen (Rotorblatt-Recycling, PFAS-Thematik, Fledermausschutz, Einschränkung des Artenschutzrechts). Das Gesamtbild zeigt jedoch ein wiederkehrendes Muster: Korrekte Daten werden mit stärkerer Wortwahl präsentiert als die Quellen hergeben, bestehende Schutzmaßnahmen werden nicht erwähnt, und in mindestens drei Fällen wird die Aussage der zitierten Quelle gegenteilig wiedergegeben. In Video 05 (Schall/Infraschall) argumentiert Schulte zudem außerhalb seines Fachgebiets (Forstwissenschaft) und gegen den breiten wissenschaftlichen Konsens zu Infraschall.

2. Faktencheck: Achtzehn Kernbehauptungen

Behauptung 1: "Kosten bis zu 13,3 Billionen Euro bis 2045"

Bewertung: QUELLENAUSSAGE UMGEKEHRT
"...je nach Studie auf bis zu 13,3 Billionen Euro bis 2045."
- Prof. Schulte, Teil 1, Einleitung (30:50), Quellenangabe im Video: "wissenschaftlicher Beirat des deutschen Bundestages"

Was falsch ist:

Quellen: Bundestag WD 5-135/24 (PDF), PwC: Klimaschutzinvestitionen lohnen sich

Behauptung 2: "1 kg Bisphenol A kann 10 Milliarden Liter Wasser verseuchen"

Bewertung: RECHENFEHLER - FAKTOR 25 DANEBEN
"Aber 1 Kilogramm bisphenol [sic] A reicht aus, um 10 Milliarden Liter Wasser zu versäuchen [sic]."
- Prof. Schulte, Teil 3, Kontamination und Recycling (22:17)

Was Schulte sagt:

1 kg Bisphenol A (BPA) reicht aus, um 10 Milliarden Liter Wasser zu kontaminieren.

Was die Rechnung ergibt:

Einordnung:

Quelle: EU-Richtlinie 2020/2184 (Trinkwasserrichtlinie)

Behauptung 3: "50-150 kg Mikrofaserabrieb pro Windrad und Jahr"

Bewertung: WEIT ÜBER WISSENSCHAFTLICHEM KONSENS
"[Es ist] davon aus[zugehen], dass pro Windkraftanlage durchschnittlich eine Menge von zwischen 50 kg und 150 kg Mikrofasern pro Jahr emitiert [sic] werden."
- Prof. Schulte, Teil 3, Kontamination und Recycling (21:13)

Was Schulte sagt:

Pro Windrad und Jahr fallen 50-150 kg Mikrofaserabrieb an. Als Quelle nennt er Rechtsanwalt Thomas Mock.

Was die wissenschaftlichen Quellen sagen:

Einordnung:

Quellen: Mishnaevsky et al. (2024), DTU/Energies; Bundestag WD 8-077/20 (Fraunhofer IWES-Daten); BWE-Faktencheck Erosion (2024); NORWEA/Vestas Faktaark (2021, Seite nicht mehr verfügbar – Organisation umbenannt in Fornybar Norge)

Behauptung 4: "Gegebenenfalls von Anfang an beabsichtigte Insolvenz"

Bewertung: NICHT BELEGT
"...in die gegebenenfalls von Anfang an beabsichtigte Insolvenz gehen, wer baut dann zurück?"
- Prof. Schulte, Teil 1, Einleitung (13:18)

Was dagegen spricht:

Reales, aber engeres Problem:

Quellen: BWE Informationspapier Rückbau (2024, PDF), § 35 Abs. 5 BauGB

Behauptung 5: "500-1.000 Liter hochgiftiger Mineralöle pro Windrad kontaminieren Waldböden"

Bewertung: TEILWEISE RICHTIG, STARK ÜBERTRIEBEN
"Je nach Windradgröße und Typ sind dies mindestens 500 bis deutlich über 1000 l giftige Mineralöle pro Windrad." [...] "Nun kann dieses hochgiftige Mineralöl nicht nur durch Undichtigkeiten oder bei Ölwechseln in den Waldboden und damit dann perspektivisch in unser Trinkwasser gelangen."
- Prof. Schulte, Teil 3, Kontamination und Recycling (10:42 / 14:09)

Was stimmt:

Was irreführend oder übertrieben ist:

Quellen: WiWo, Agrarheute, energiewende.eu, Niedersachsen Grundwasserschutz-Merkblatt, UBA WGK-Einstufung

Behauptung 6: "PFAS-Chemikalien (Ewigkeitschemikalien) aus Windrädern belasten das Ökosystem"

Bewertung: IM KERN IRREFÜHREND
"Zweites Beispiel, die Erosion von hochgiftigen Chemikalien, z.B. PFAS, Per und polyfluorierte Alkühlsubstanzen [sic]. Sie werden aufgrund ihrer extremen Langlebigkeit auch als Ewigkeitschemikalien bezeichnet, dass sie sich in der Umwelt, im Trinkwasser und im menschlichen Körper anreichern und nur sehr schwer abzubauen sind."
- Prof. Schulte, Teil 3, Kontamination und Recycling (17:21)

Was stimmt:

Was irreführend ist:

Quellen: JUWI: PFAS und Windenergie, energiewende.eu: Abrieb und Chemikalien, FragDenStaat: Schadstoffe im Abrieb

Behauptung 7: "Infraschall ist gesichert gesundheitsgefährdend"

Bewertung: WIDERSPRICHT WISSENSCHAFTLICHEM KONSENS
"Aber was ist mit dem gesichert gesundheitsgefährdenden Infraschall?"
- Prof. Schulte, Teil 5, Schall (17:20)

Was Schulte behauptet:

Was die Quellen sagen:

Bewertung:

"Gesichert gesundheitsgefährdend" widerspricht dem wissenschaftlichen Konsens (UBA, WHO, McKenna, Maijala, Woolcock). Der Vergleich mit Röntgenstrahlung hinkt: Für Röntgenstrahlung gibt es nachgewiesene Dosis-Wirkungs-Beziehungen bei realen Expositionswerten, für WEA-Infraschall nicht. Schulte stellt eine Minderheitsposition als gesicherten Kenntnisstand dar.

Quellen: Maijala et al. 2021 (JASA), McKenna et al. 2025 (Joule), WHO 2018, UBA TEXTE 69/2022, Mattsson et al. 2025

Behauptung 8: "50-100 Hektar Flächenverbrauch pro Windrad" (aus Teil 4)

Bewertung: IRREFÜHRENDE NEUDEFINITION
"Die [...] dargelegten 0,5 Hektar Flächen in Anspruchnahme [sic] pro Windrad sind aus wissenschaftlicher walkologischer [sic] Sicht ein sehr schlechter Witz, um nicht das zu sagen, was ich wirklich denke. Statt der lächerlichen 0,5 Hektar werden mindestens 50 bis über 100 Hektar pro Windrad im Wald in Anspruch genommen."
- Prof. Schulte, Teil 4, Natur- und Artenschutz (30:23)

Was Schulte behauptet:

In Teil 4 seiner Serie rechnet Schulte den Fledermaus-Meidungsradius als "Flächenverbrauch" ein: Schulte verweist auf eine Studie (Ellerbrok et al. 2022, Journal of Applied Ecology), nach der die Fledermausaktivität von Waldfledermäusen im Nahbereich (80m) einer Anlage um ca. 50% geringer ist als in 450m Entfernung. Daraus berechnet er eine Kreisfläche (Pi * 400m^2 = ca. 500.000 m2 = 50 ha) und bezeichnet diese als "in Anspruch genommene Fläche" pro Windrad.

Was der Standard ist:

Einordnung:

Was Schultes Hauptquelle tatsächlich sagt:

In Teil 5 zitiert Schulte die Studie Tolvanen et al. (2023, Biological Conservation): "84 peer-reviewte Studien, 160 Verdrängungsdistanzen." Die Zahlen stimmen. Was er nicht erwähnt:

Quellen: Fachagentur Wind und Solar: Windenergie im Wald, Tolvanen et al. 2023 (Biological Conservation, Open Access)

Behauptung 9: "35-120 Hektar Habitatverlust für Wildkatzen pro Anlage"

Bewertung: KEINE PEER-REVIEW-GRUNDLAGE
"Verlust von potenziellem Reproduktionsraum im Umfang von 35 bis 120 Hektar pro Anlage für ein Wildkatzenweibchen"
- Prof. Schulte, Teil 4, Natur- und Artenschutz (29:49), zitiert Naturschutzinitiative e.V., Gabriele Neumann

Was stimmt:

Was problematisch ist:

Quellen: Naturschutzinitiative e.V.: Wildkatzen und Windenergie, Uni Göttingen: Wildkatze und Windkraft, taz: Gründung der NI

Behauptung 10: "7,35 Cent pro Kilowattstunde garantierte Einspeisevergütung"

Bewertung: IRREFÜHREND
"7,35 Cent pro Kilowattstunde an garantierter Einspeisevergütung"
- Prof. Schulte, Teil 1, Einleitung (27:03)

Was stimmt:

Was irreführend ist:

Quellen: BNetzABundesnetzagentur - zuständig für die Durchführung der EEG-Ausschreibungen. Ausschreibungsergebnisse Wind Onshore; Fraunhofer ISE: Stromgestehungskosten Erneuerbare Energien (Juli 2024)

Behauptung 11: "Waldrodung für Windkraftanlagen"

Bewertung: ZAHLEN KORREKT, EINORDNUNG FEHLT
"Eine Tabelle in einer neueren Publikation dieser FA Wind- und Solarfachagentur aus dem Jahr 2025 gibt aktuell Aufschluss über die durchschnittliche Waldfläche pro Windenergieanlage [...] Dabei wird dargelegt, dass im Mittel über den gesamten Betriebszeitraum 0,51 Hektar Fläche vom Baumbwuchs [sic] freizuhalten sind."
- Prof. Schulte, Teil 2a, Entwaldung (30:04), gekürzt

Was stimmt:

Welcher Kontext fehlt:

Quellen: Fachagentur Wind und Solar, Analyse Wind im Wald (PDF, 10. Aufl. 2025), KNE: Waldinanspruchnahme, UBA Themenkompass (PDF), Top Agrar

Behauptung 12: "CO2-Einsparung aller deutschen Wald-Windräder = 7 Stunden CO2-Ausstoß Chinas"

Bewertung: RECHNERISCH RICHTIG, KONTEXT FEHLT
"Die eher optimistische Gesamtvermeidung an CO2 aller Windräder im Wald in Deutschland pro Jahr entspricht damit sehr optimistisch maximal etwa dem Ausstoß an CO2 von China in 7 Stunden. 7 Stunden." [...] "Selbst bei 10.000 Windrädern im Wald in Deutschland wird es nur einen Effekt auf den CO2 Gehalt der Atmosphäre geben, der im Bereich der nicht messbaren Folklore liegen wird, wenn überhaupt."
- Prof. Schulte, Teil 2a, Entwaldung (02:55 / 03:10)

Was stimmt - die Rechnung geht auf:

Welcher Kontext fehlt:

Quellen: Fachagentur Wind und Solar, Carbon Brief: China CO2, Wikipedia: China Emissionen, Correctiv: CO2-Bilanz WKA vs. Wald

Behauptung 13: "Mehr als 200.000 Fledermäuse sterben pro Jahr an Windkraftanlagen"

Bewertung: ZAHL PLAUSIBEL, KONTEXT FEHLT
"Zitat: Wir müssen damit rechnen, dass pro Jahr mehr als 200.000 Fledermäuse an Windkraftanlagen in Deutschland versterben."
- Prof. Schulte, Teil 4, Natur- und Artenschutz (23:39), Schulte leitet dies explizit als "Zitat" ein, vermutlich von Christian Voigt, Leibniz-IZW

Was Schulte sagt:

Er zitiert eine Schätzung, dass pro Jahr mehr als 200.000 Fledermäuse an Windkraftanlagen in Deutschland sterben.

Was die Quellen sagen:

Was fehlt:

Zum Thema Greifvögel (ebenfalls in Teil 4: "gemäß der Wildtierstiftung dürften alleine mindestens 12.000 geschützte Greifvögel pro Jahr durch Windräder in Deutschland erschlagen werden"):

Quellen: Voigt et al. (2024), BioScience; IZW Berlin (2024); BfN Signifikanzschwelle (2024, PDF); McKenna et al. (2025), Joule; ProBat; LIFE EUROKITE (LIFE18 NAT/AT/000048); ProTecBird (2025)

Behauptung 14: "Rotorblätter werden in Deutschland verbrannt oder illegal ins Ausland verbracht statt recycelt"

Bewertung: IM KERN RICHTIG, DARSTELLUNG EINSEITIG
"...wird das oberirdische Windrad mit all seinen verarbeiteten Giftstoffen tatsächlich komplett recycelt oder exportieren wir hier legal oder illegal mal wieder unsere Probleme ins Ausland?" [...] "Rotorblätter werden nach ihrer Demontage in Deutschland entweder verbrannt, teilweise auch in konventionellen Müllverbrennungsanlagen, die meines Erachtens dafür nicht ausgerichtet sind oder im Ausland deponiert statt recycelt." [...] "Nichts verbrennt dreckiger und klimaschädlicher als Rotorblätter von Windkraftanlagen." (Eigenaussage Schultes: "Kommt von mir.")
- Prof. Schulte, Teil 3, Kontamination und Recycling (00:40 / 34:05 / 32:14)

Was stimmt:

Was in der Darstellung fehlt:

Quellen: EnBW: Recycling (Energiekonzern, Eigeninteresse beachten), Correctiv: Entsorgung, Euractiv: Fall Tschechien, UBA: Recyclingkapazitäten

Behauptung 15: "5-6 Milliarden Insekten pro Sommertag durch Rotoren getötet"

Bewertung: ZAHL KORREKT ZITIERT, EINORDNUNG DES AUTORS FEHLT
"Auch die - kein Hörfehler - in einer Publikation des Deutschen Zentrums für Luft und Raumfahrt geschätzten 5 bis 6 Milliarden Insekten pro Sommertag, die beim Durchqueren der Rotoren in Deutschland an Land bzw. im Wald sterben."
- Prof. Schulte, Teil 4, Natur- und Artenschutz (27:52)

Was Schulte sagt:

Windkraftanlagen töten 5-6 Milliarden Insekten pro Sommertag.

Was die Quelle sagt:

Was fehlt:

Quelle: Trieb, F. (2018): "Interference of Flying Insects and Wind Parks", DLR

Behauptung 16: "Ein Windrad verlärmt 80 bis 310 Hektar Wald"

Bewertung: RECHNUNG KORREKT, ENTSCHEIDENDER KONTEXT FEHLT
"Das entspricht [...] bei 500 bis 1000 Meter Radius einer Fläche von, richtig, 80 bis 310 Hektar, die mit hörbarem Lärm in Anspruch genommen, genutzt wird."
- Prof. Schulte, Teil 5, Schall (09:54)

Was Schulte macht:

Er kombiniert die WHO-Empfehlung (45 dB) mit Betreiberangaben (35-45 dB in 500-1000m Entfernung) und rechnet Pi*r^2. Dann vergleicht er das Ergebnis mit den 0,5 ha der Fachagentur Wind.

Was korrekt ist:

Was fehlt:

Zur WHO-Empfehlung:

Schulte stellt die 45 dB als feste Gesundheitsgrenze dar. Was die WHO tatsächlich sagt (Environmental Noise Guidelines 2018, S. 77-86): Die Empfehlung ist "conditional"Bedingte Empfehlung: Geringere Sicherheit über den Nutzen, kann je nach Kontext nicht zutreffen. Im Gegensatz zu "strong" (starke Empfehlung), die die WHO z.B. für Straßen- und Fluglärm ausspricht. (bedingt) - die schwächste Kategorie. Für Straßen-, Schienen- und Fluglärm sprach die WHO starke Empfehlungen aus. Die Evidenzqualität wurde als "low" (gering) bewertet. Die einzige nachgewiesene Gesundheitswirkung war Belästigung (annoyance) - für Herz-Kreislauf, Schlafstörungen und Hörschäden gab es keine oder unzureichende Studien. Für nächtlichen Windkraftlärm machte die WHO keine Empfehlung, weil die Evidenz zu schwach war.

Quellen: WHO Environmental Noise Guidelines (2018), S. 77-86, Tabelle 42; Umweltbundesamt - Lärm von WEA; TA Lärm (Sechste Allgemeine Verwaltungsvorschrift zum BImSchG)

Behauptung 17: "20 Vogelarten aus dem Prüfkatalog gestrichen"

Bewertung: IN DER SUBSTANZ TEILWEISE KORREKT, IRREFÜHREND FORMULIERT
"20 Vogelarten wurden durch Gesetzesänderungen des Habeck'schen Wirtschaftsministerium 2022-23 aus dem Katalog der beim Bau von Windrädern zu prüfenden Tierarten einfach gestrichen."
- Prof. Schulte, Teil 5, Schall (15:36)

Was tatsächlich passiert ist:

Was korrekt ist:

Was fehlt:

Quellen: §45b BNatSchG, Anlage 1 BNatSchG, BVerwG 07.11.2025, NABU - Rechtliche Bedenken

Behauptung 18: "Windkraft schadet dem Tourismus in Naturparken"

Bewertung: ANEKDOTISCHE ARGUMENTATION, KEINE EVIDENZ
"Die Menschen vor Ort wissen ganz offensichtlich, dass ein lärmender Windpark [...] garantiert keinen Pluspunkt bei der Entscheidung für den nächsten Urlaub darstellt."
- Prof. Schulte, Teil 5, Schall (32:32)

Was Schulte argumentiert:

Naturpark-Websites (Reinhardswald, Schwarzwald, Barnim) zeigen keine Fotos von Windrädern. Das beweise, dass Tourismuspraktiker wüssten, dass Windkraft dem Tourismus schadet.

Was fehlt:

Quellen: IHK Arnsberg: Windkraft-Akzeptanzstudie 2022; Scottish Government (2008): Impact of Wind Farms on Scottish Tourism

3. Wiederkehrende Muster

Die folgende Tabelle fasst Muster zusammen, die in den achtzehn geprüften Behauptungen auftreten. Die Beispiele verweisen auf die jeweiligen Behauptungen oben:

Nr.BeobachtungBeispiel
1Korrekte Daten, aber mit stärkerer Wortwahl als die QuellenÖlmengen stimmen, Quellen sagen WGK 1-2, Schulte sagt "hochgiftig"
2Bestehende Schutzmaßnahmen werden nicht erwähntAuffangwannen (AwSV), Kompensationsaufforstung, Abschaltalgorithmen, getriebelose Anlagen
3Vergleiche mit stark unterschiedlichen BezugsgrößenWald-WKA (12% der Windleistung) verglichen mit dem Gesamtausstoß Chinas - die Rechnung stimmt, aber die Methode kann jede Einzelmaßnahme klein erscheinen lassen
4Einzelfälle ohne Einordnung als AusnahmeDer ROTH-Kriminalfall (Tschechien) wird ohne Hinweis auf strafrechtliche Verfolgung genannt
5Andere Definition von Fachbegriffen ohne KenntlichmachungFledermaus-Meidungsradius (ökologische Wirkzone) wird als "Flächenverbrauch" bezeichnet, ohne klarzustellen, dass die Fachagentur damit versiegelte Fläche meint (0,5 ha)
6Zahlen aus nicht-wissenschaftlichen QuellenMikrofaserabrieb: 50-150 kg/Jahr (Rechtsanwalt Thomas Mock) vs. Onshore max. 0,15 kg/Jahr (DTU 2024, Peer-Review)
7Tonfall widerspricht Sachlichkeitsanspruch"Klimanationalismus", "raubsozialistischer Strudel", "Staatsfunk", "Mietwissenschaftler", "nützliche Idioten" (alles Teil 1) vs. Selbstbeschreibung "grundsätzlich unabhängig und überparteilich", "wissensbasiert"
8Anti-Windkraft-Organisationen als neutrale QuellenNaturschutzinitiative e.V. (bekannte Anti-Windkraft-Organisation) und Deutsche Wildtier Stiftung werden zitiert, ohne deren Positionierung einzuordnen
9Quellenaussage gegenteilig wiedergegebenPwC-Studie: Klimaneutralität kostet ~13,2 Bio. € (günstiger als Nichtstun mit ~13,3 Bio. €). Schulte: "Kosten bis zu 13,3 Billionen" - ohne den Vergleich mit dem teureren Nichtstun-Szenario
10Eigener Peer-Review-Anspruch wird nicht eingehaltenIn Teil 5 erklärt Schulte ausführlich den Peer-Review-Prozess und warnt vor nicht-begutachteten Quellen. Sein eigenes Quellenverzeichnis enthält jedoch Publikationen bei SCIRP (als Predatory PublisherVerlage, die gegen Bezahlung publizieren, ohne echte wissenschaftliche Begutachtung. Publikationen dort gelten in der Wissenschaft nicht als qualitätsgesichert. identifiziert, z.B. Bellut-Staeck 2023), einen Verschwörungstheorie-Blog (tkp.at) sowie Texte von Anti-Windkraft-Organisationen (Aktionskreis Energie und Naturschutz e.V.)

Wo Schulte berechtigte Punkte hat

Wo Kontext fehlt oder Angaben nicht der Quellenlage entsprechen

4. Person

MerkmalDetail
NameProf. Dr. Andreas Schulte
StudiumForstwissenschaften, Georg-August-Universität Göttingen
Promotion1988, Bodenkunde, Forschungszentrum Waldökosysteme Göttingen
Lehrstuhl2003-2023: Waldökologie, Forst- und Holzwirtschaft, WWU Münster (Institut für Landschaftsökologie, FB Geowissenschaften)
Pensioniert2023
FirmaSilvaVest GmbH (seit 2019), Geschäftsführender Gesellschafter - Wald-Investment-Beratung
Selbstbeschreibung"Grundsätzlich unabhängig und überparteilich" (Teil 1, 10:05). Verwendet zudem "wissensbasiert" als Attribut für seine Methodik (Teil 1, 03:29)

Quellen: Wikipedia, Uni Münster CRIS, SilvaVest, cumtempore.info

Selbstbeschreibung vs. Tonfall

Schulte beschreibt seinen Kanal als "grundsätzlich unabhängig und überparteilich" (Teil 1, 10:05) und seinen Ansatz als "wissensbasiert" (Teil 1, 03:29). Er betont: "Ich bin nicht in einer Partei und gar nicht grundsätzlich gegen Windenergie oder Klimaschutz" (Teil 1, 23:56). In denselben Videos verwendet er Begriffe wie "Klimanationalismus", "raubsozialistischer Strudel", "Staatsfunk", "Leibmedien" (für öffentlich-rechtliche Medien), "nützliche Idioten", "Mietwissenschaftler" und "als NGOs getarnte Lobbyisten" (Teil 1). Diese Wortwahl steht im Widerspruch zu seinem eigenen Anspruch einer sachlich-wissenschaftlichen Darstellung.

Möglicher Interessenkonflikt

Schulte ist neben seiner wissenschaftlichen Tätigkeit geschäftsführender Gesellschafter der SilvaVest GmbH (Sitz Münster), die zu Wald-Investments berät. Diese Doppelrolle als pensionierter Wissenschaftler und Geschäftsführer eines Wald-Investment-Unternehmens wurde unter anderem von der taz und Klimareporter thematisiert - dort allerdings im Kontext seiner Kritik am UBA zur Holzverbrennung, nicht zur Windkraft. Ob ein konkreter geschäftlicher Interessenkonflikt bei der Windkraft-Thematik besteht, ist nicht belegt.

Verbreitung

PlattformArtEigenverantwortlich
YouTube (CumTempore)Eigener Kanal, ca. 8.800 Abonnenten, 46 Videos (seit Mai 2024)Ja
cumtempore.infoEigene WebsiteJa
Achse des Guten (achgut.com)Serie "Windräder, Wald und Wahrheit"Ja (aktive Publikation)
KontrafunkInterviewsJa (aktive Teilnahme)
EIKEVeröffentlicht seine InhalteUnklar
VernunftkraftListet seine VorträgeUnklar
BürgerinitiativenTeilen Videos als ArgumentationshilfeNein (Drittverbreitung)

5. YouTube-Serie "Gegenwind: Windkraft im Wald"

TeilTitelAufrufeLänge
1Einleitung (05.12.2025)17.00433:36
2aEntwaldung - Bei uns in Deutschland (07.01.2026)11.25937:41
2bDeforestation - In our climate colonies (englisch)6.46135:49
3Kontamination und Recycling (13.02.2026)8.78637:06
4Natur- und Artenschutz (20.03.2026)7.14732:16
5Gefahren für den Menschen: Schall, Infraschall, Erholung (24.04.2026)-34:30

Quelle: YouTube-Kanal CumTempore, Stand April 2026. 7-teilige Serie geplant, 5 deutschsprachige Teile + 1 englische Version veröffentlicht.

6. Bezug Nottuln

MerkmalDetail
Vortrag29.04.2026, Forum Rupert-Neudeck-Gymnasium Nottuln, ca. 100 Besucher. Faktencheck des Vortrags
Einladung durchGegenwind Nottuln
BewerbungZwei Facebook-Flyer (April 2026). Schulte wird als "renommierter Forstwissenschaftler" und "renommierter Waldökologe" vorgestellt, der "Aussagen der Windkraftlobby fundiert und faktenbasiert" hinterfragt und widerlegt. Untertitel: "UNABHÄNGIG. SACHLICH. HÖRENSWERT."
Regionale Autorität20 Jahre Lehrstuhl an der WWU Münster
Direkte Videos zu NottulnKeine (Stand April 2026)
ZielgruppeSerie richtet sich explizit an "Mitglieder von Bürgerinitiativen"
Kontaktkanäle GegenwindFacebook-Seite, WhatsApp-Gruppe, E-Mail (gegenwind-nottuln@outlook.de)
Hinweis: Schultes Videos enthalten keinen direkten Bezug zu Nottuln oder Stockum. Die Argumente seiner Serie - Mineralöle, PFAS, Waldrodung, CO2-Bilanz - decken sich aber mit den Themen, die Gegenwind Nottuln in der lokalen Debatte verwendet. Die Bewerbung durch Gegenwind Nottuln positioniert Schulte explizit als Gegenstimme zur "Windkraftlobby" - die Flyer-Formulierung "widerlegt Aussagen der Windkraftlobby" geht über Schultes eigenen Anspruch einer ergebnisoffenen Darstellung hinaus.

7. Öffentliche Einordnung

Es existieren keine systematischen Faktenchecks zu Schultes Windkraft-Serie - weder von Correctiv, Volksverpetzer noch klimafakten.de (Stand April 2026). Seine Windkraft-Thesen sind nicht peer-reviewed erschienen.

Dokumentierte Kritik beschränkt sich auf den Interessenkonflikt:

MediumInhalt
taz"Waldlobby attackiert Umweltbundesamt" - Doppelrolle als Wissenschaftler und SilvaVest-GF thematisiert
KlimareporterEinordnung als "Waldlobby"
UtopiaInteressenkonflikt dokumentiert: kritisiert UBA, ist gleichzeitig GF eines Wald-Investment-Unternehmens

Indirekte Widerlegungen (ohne Schulte namentlich zu nennen):

8. Quellenverzeichnis

Person und Kanal

Faktencheck-Quellen

Kritik an Schulte