Immobilienwerte und Windenergie

Was sagt die Forschung - und was bedeutet das konkret für Nottuln?

Daten: RWI 2019 & 2024, Zensus 2022, PNAS 2024

Aktueller Forschungsstand (2024)

1,8%
Durchschnitt in 1-2 km (RWI 2024)
~3 J.
Preise erholen sich nach ca. 3 Jahren (PNAS 2024)
0%
Kein Effekt bei Anlagen ab 2017 (PNAS 2024)

RWI - Heuer & Sommer (2024)

Eine aktualisierte RWI-Studie (Heuer & Sommer, SSRN #4918064) untersuchte rund 4 Millionen Immobilienangebote auf ImmoScout24 von 2009 bis 2021.

Ergebnis: Immobilien mit einer WEA im Umkreis von 1-2 km sind durchschnittlich 1,8% günstiger. Ab 3 km ist kein Effekt mehr nachweisbar. Der Effekt ist bei älteren Immobilien und in weniger dicht besiedelten Gebieten größer.

Methodik: Angebotsdaten (ImmoScout24), 2009-2021. Zum Vergleich: Die RWI-Studie von 2019 nutzte Transaktionsdaten von 2007-2015 und fand höhere Werte (7%/23%).

Berkeley/PIK - PNAS 2024

Eine große US-Studie (Proceedings of the National Academy of Sciences, 2024) untersuchte speziell Häuser mit direktem Blick auf Windräder.

Ergebnis: Der Wertverlust erreicht seinen Höhepunkt nach etwa 3 Jahren und erholt sich danach. Für nach 2017 errichtete Anlagen war kein signifikanter Preiseffekt mehr messbar.

Die Forscher erklären das mit zunehmender gesellschaftlicher Gewöhnung an Windenergieanlagen.

Die oft zitierten Zahlen: RWI-Studie (2019)

In lokalen Diskussionen werden häufig die Zahlen der RWI-Studie von 2019 genannt. Sie untersuchte rund 3 Millionen Immobilientransaktionen zwischen 2007 und 2015.

7%
Durchschnitt innerhalb 1 km
bis 23%
Altbauten vor 1950 im ländlichen Raum
0%
Ab 8-9 km kein Effekt messbar

Wann gelten welche Zahlen?

7% Durchschnitt: Gilt für alle Gebäudetypen innerhalb von 1 km. Der Effekt nimmt mit der Entfernung ab.

Bis 23%: Gilt für Altbauten mit Baujahr vor 1950 im ländlichen Raum innerhalb von 1 km.

Siedlungstyp: Laut RWI sind "alte Häuser" und solche "in ländlichen Gebieten" am stärksten betroffen. Neuere Studien (u.a. PNAS 2024) zeigen teils abweichende Ergebnisse zur Rolle des Siedlungstyps.

0% ab 8-9 km: Ab dieser Entfernung kein statistisch signifikanter Effekt.

Einordnung: Die Studie basiert auf Daten von 2007-2015, als Anlagen typischerweise 100-150 m hoch waren. Die aktualisierte RWI-Studie von 2024 mit Daten bis 2021 findet mit 1,8% einen niedrigeren Durchschnittswert - bei anderer Methodik (Angebots- statt Transaktionsdaten).

RWI-Pressemitteilung (2019) →

Wie alt sind die Gebäude um die geplanten WEA?

Daten: Zensus 2022 (100-m-Gitterzellen, Statistisches Bundesamt). Dargestellt: alle Zellen im 2-km-Radius der geplanten WEA. Farbe zeigt die dominierende Baualtersklasse.

Vor 1950
1949-1990
Nach 1990
Keine Altersangabe
Alter unbekannt
Geplante WEA
1-km-Radius

Was bedeutet das für Stockum?

Kernbefund: Von 187 Gebäuden mit Zensus-Daten im 1-km-Radius ist keines mit Baujahr vor 1950 erfasst. Allerdings sind 45 Gitterzellen mit Einzelhöfen komplett unterdrückt (§16 BStatG) - deren Baujahr geht aus den Zensus-Daten nicht hervor.

Gebäude im Stockum-Bereich (Zensus 2022)

5%
55%
35%

2.419 Gebäude mit bekannten Daten im 2-km-Radius. Zusätzlich 114 komplett unterdrückte Zellen. Quelle: Zensus 2022, 100-m-Gitterzellen.

Vogelwegsiedlung

1980er-2000er

Nächste geschlossene Wohnsiedlung zu WEA 5 (ca. 650 m). Habichtweg, Bussardweg, Falkenstraße, Drosselweg.

Baujahre 1980er-2000er. Liegt innerhalb des 1-km-Radius.

Einzelhöfe

Alter unbekannt

Historische Münsterländer Bauerschaften. 45 Gitterzellen im 1-km-Radius sind komplett unterdrückt (§16 BStatG) - dort stehen Einzelhöfe mit unbekanntem Baujahr.

14 Gitterzellen im Gesamtbereich haben dominant alte Gebäude (vor 1950).

Innerhalb 1 km

187 + unterdrückte

187 Gebäude mit bekannten Zensus-Daten innerhalb von 1 km. Davon keines mit Baujahr vor 1950 erfasst, 92,5% nach 1990 gebaut.

Zusätzlich 45 unterdrückte Zellen mit Einzelhöfen, deren Baujahr unbekannt ist.

Neubaugebiet B-Plan 161

Neubau

Geplant: "Niederstockumer Weg" mit ca. 250 Wohneinheiten. Wird in Kenntnis der geplanten WEA entwickelt.

Käufer wissen beim Erwerb von den geplanten Anlagen.

Häufige Behauptungen

"Über 20% Wertverlust durch Windräder"

Der Wert "bis 23%" stammt aus der RWI-Studie von 2019 und gilt für Altbauten vor 1950 im ländlichen Raum innerhalb von 1 km. Von 187 Gebäuden mit Zensus-2022-Daten im 1-km-Radius ist keines mit Baujahr vor 1950 erfasst. Für 45 Gitterzellen mit Einzelhöfen sind die Baujahre allerdings unterdrückt (§16 BStatG). Eine aktualisierte RWI-Studie von 2024 (Daten bis 2021) findet einen Durchschnittseffekt von 1,8% in 1-2 km Entfernung.

"Meine Altersvorsorge ist in Gefahr"

Die tatsächliche Auswirkung hängt von Entfernung, Gebäudealter und Lage ab. Von den 187 Gebäuden mit bekannten Daten innerhalb von 1 km sind 92,5% nach 1990 gebaut. Für 45 Gitterzellen mit Einzelhöfen sind die Baujahre unbekannt. Ab 3 km (RWI 2024) bzw. 8-9 km (RWI 2019) ist kein Effekt messbar. Neuere Forschung (PNAS 2024) zeigt zudem, dass sich Preise nach wenigen Jahren erholen.

"25-30% Wertverlust"

Diese Zahlen lassen sich mit keiner wissenschaftlichen Studie belegen. Die RWI-Studie von 2019 (3 Mio. Transaktionen) kommt auf maximal 23% - für Altbauten vor 1950 im ländlichen Raum innerhalb von 1 km.

Mehr dazu in den FAQ →

Quellen

Mehr erfahren

Weitere Themen rund um Windkraft in Nottuln.

Fehler gefunden? Fragen?

Diese Seite lebt von Genauigkeit. Wenn Ihnen ein Fehler auffällt, eine Quelle fehlt oder Sie eine andere Sichtweise mit Belegen haben - ich freue mich über jede Nachricht.