≈ 5,7% der 20.000 Einwohner
Teil 1: Faktencheck Petitionstext
Die Petition "STOPP der Münsteraner Mega-Windräder" der Bürgerinitiative windsinn-nottuln.info enthält mehrere prüfbare Behauptungen. Hier der Faktencheck.
Behauptung: "Münster flächenmäßig mit Köln vergleichbar"
"Münster selbst verfügt über ein Stadtgebiet, das flächenmäßig mit Köln vergleichbar ist – mit vielen möglichen, bereits ausgewiesenen Standorten."
ℹ️ Zur Einordnung
| Münster | 303 km² |
| Köln | 405 km² |
| Differenz | Köln ist ~33% größer |
Es stimmt, dass beide Städte zu den flächenmäßig größten in Deutschland gehören. Allerdings hat Köln ein Drittel mehr Fläche. Ob das "vergleichbar" ist, liegt im Auge des Betrachters.
Behauptung: "Massiver Widerstand in Münster"
"Münster hat reichlich eigene, ausgewiesene Standortflächen, die aufgrund des massiven Widerstands der Münsteraner Bevölkerung nicht genutzt werden."
⚠️ Unvollständig
Münster hat aktuell 34 Windenergieanlagen im Stadtgebiet (Quelle: stadt-muenster.de).
Weitere WEA sind in Planung: Albachten, Roxel, Amelsbüren. Widerstand gibt es überall – aber in Münster führt er nicht dazu, dass keine WEA gebaut werden. Die Behauptung "nicht genutzt" ist daher unvollständig.
Behauptung: "Künstliches Regel-Vakuum"
"Ein künstlich geschaffenes Regel-Vakuum von nur einigen Monaten darf nicht dafür missbraucht werden, Nottuln [...] in einen Riesenwindradpark zu verwandeln."
⚠️ Irreführende Darstellung
Das "Regel-Vakuum" bezieht sich auf die Übergangszeit zwischen dem alten Regionalplan Münsterland und dem neuen. Diese Situation:
- Wurde nicht von den Stadtwerken Münster "künstlich geschaffen"
- Resultiert aus dem bundesweiten Wind-an-Land-GesetzBundesgesetz von 2022. Gibt den Ländern vor, bis 2032 bestimmte Flächenanteile für Windenergie auszuweisen. NRW: 1,8% der Landesfläche. von 2022
- Betrifft alle Kommunen in NRW gleichermaßen
Die Formulierung "künstlich geschaffen" suggeriert böse Absicht der Betreiber – tatsächlich reagieren diese auf eine bundesweite Gesetzesänderung.
Behauptung: "8 Vorbescheide" / "8 Windenergieanlagen"
"den sofortigen Stopp der geplanten acht Windenergieanlagen (WEA) in unmittelbarer Nähe zu Wohngebieten"
ℹ️ Zur Einordnung
Die Petition fokussiert auf die WEA der Stadtwerke Münster. Tatsächlich sind 18 WEA in Nottuln geplant – von 7 verschiedenen Betreibern:
- Stadtwerke Münster: 7 WEA
- Bürgerwind Nottuln-Gladbeck, Bürgerwind Roruper Berg, und weitere lokale Betreiber: 11 WEA
Möglicherweise bezieht sich die Kritik an "unmittelbarer Nähe zu Wohngebieten" spezifisch auf die Stadtwerke-Standorte. Die konkreten Abstände der einzelnen WEA zu Wohnbebauung wären prüfbar.
Behauptung: "2 Kilometer Schutzgürtel"
"WEA-Neuerrichtungs-Schutzgürtel mit ausreichend Distanz zu Wohnbebauungen (mindestens 2 Kilometer Luftlinie)"
ℹ️ Zur Einordnung
In NRW gibt es keinen pauschalen Mindestabstand mehr. Der frühere 1.000-Meter-Abstand wurde am 12. September 2023 abgeschafft.
Was stattdessen gilt: Der Abstand ergibt sich aus konkreten Grenzwerten, die im Genehmigungsverfahren geprüft werden:
- Lärmschutz (TA Lärm): max. 40 dB(A) nachts in Wohngebieten – ergibt typisch 600–800m je nach Anlage
- Optische Bedrängung (§249 BauGB): 2× Gesamthöhe, z.B. 500m bei einer 250m-Anlage
- Schattenwurf: max. 30 Stunden/Jahr, 30 Minuten/Tag
Ein pauschaler 2-km-Abstand hat keine wissenschaftliche oder rechtliche Grundlage – er würde Windkraft in dicht besiedelten Regionen praktisch unmöglich machen. Zum Vergleich: Bayern hat einen 10H-Abstand (bei 250m = 2.500m), die meisten Bundesländer haben keinen pauschalen Abstand.
Teil 2: Faktencheck News-Meldungen
Die Petition wurde von September 2025 bis Januar 2026 begleitet durch 9 News-Updates. Hier die prüfbaren Behauptungen.
News vom 19.11.2025: Gesundheitsbehauptungen
"die wachsende Zahl wissenschaftlicher Hinweise zu Schall, Infraschall und Partikelemissionen führen zu der berechtigten Frage, ob diese Standorte verantwortbar sind."
⚠️ Entspricht nicht dem wissenschaftlichen Konsens
Das UmweltbundesamtZentrale Umweltbehörde der Bundesrepublik. Wissenschaftliche Fachbehörde, kein Lobbyverband. hat 2020 eine umfassende Studie veröffentlicht:
- Infraschall von WEA liegt unterhalb der Wahrnehmungsschwelle
- Die Mehrheitsmeinung in der Wissenschaft sieht keine Gesundheitsgefahr bei Einhaltung der Abstände
- Die oft zitierte BGR-Studie von 2005 enthielt einen Rechenfehler (36 dB = Faktor 4.000) – 2021 korrigiert
Es gibt vereinzelte Studien mit anderen Ergebnissen, aber die Formulierung "wachsende Zahl" entspricht nicht dem aktuellen Forschungsstand.
News vom 19.11.2025: Ottmarsbocholt
"Reale Erfahrungsberichte aus anderen Gemeinden – etwa aus dem benachbarten Ottmarsbocholt – verstärken die Zweifel, ob die gesetzlichen Grenzwerte Menschen tatsächlich ausreichend schützen."
⚠️ Nicht überprüfbar
Diese Aussage nennt keine konkreten Quellen oder dokumentierten Fälle. "Erfahrungsberichte" sind keine wissenschaftlichen Belege. Ohne konkrete Angaben (wer, wann, welche Beschwerden, ärztlich dokumentiert?) ist die Aussage nicht prüfbar.
In Ottmarsbocholt (Senden) stehen bereits WEA. Wenn es dokumentierte Gesundheitsprobleme gäbe, müssten diese behördlich erfasst sein – entsprechende Nachweise werden nicht genannt.
News vom 19.11.2025: "Überdimensionierte Windräder"
"Wir möchten Ihre überdimensionierten, wirtschaftlich motivierten Windräder nicht direkt vor unseren Haustüren stehen haben."
ℹ️ Zur Einordnung
Höhe: Die geplanten WEA haben Gesamthöhen von ca. 200-270m. Das entspricht dem aktuellen Standard moderner Anlagen – nicht "überdimensioniert", sondern technischer Stand.
"Vor der Haustür": In NRW gibt es keinen pauschalen Mindestabstand, aber die Grenzwerte für Lärm, Schattenwurf und optische Bedrängung ergeben in der Praxis Abstände von mehreren hundert Metern. "Direkt vor der Haustür" ist eine emotionale Übertreibung.
"Wirtschaftlich motiviert": Alle Energieerzeugung ist wirtschaftlich motiviert – auch Kohle, Gas, Solar. Das ist kein spezifischer Kritikpunkt an Windkraft.
News vom 20.01.2026: "1.700 Stimmen sind NICHT zu überhören"
"Über 1.700 Stimmen sind NICHT zu überhören!"
✓ Korrekt
1.714 Unterschriften sind ein relevantes demokratisches Signal und verdienen Beachtung. Von diesen kamen 1.141 aus Nottuln (66%), was ~5,7% der Bevölkerung entspricht.
Eine Petition muss keine Mehrheit repräsentieren, um gehört zu werden – sie zeigt, dass ein Teil der Bevölkerung Bedenken hat. Das ist legitim und sollte in den demokratischen Prozess einfließen.
Teil 3: Was die Unterzeichner schreiben
630 der 1.714 Unterzeichner hinterließen einen Kommentar. Was schreiben sie? Was davon ist berechtigt?
Die häufigsten Argumente
| Thema | Häufigkeit |
|---|---|
| Landschaft & Heimatgefühl | 35% |
| Fehlende Bürgerbeteiligung | 21% |
| Optische Veränderung | 21% |
| "Münster soll selbst bauen" | 17% |
| Gesundheit & Lärm | 17% |
| Persönliche Betroffenheit | 14% |
| Artenschutz | 13% |
Hinweis: Viele Kommentare nennen mehrere Gründe, daher Summe > 100%.
Methodik dieser Analyse
Datenbasis: 630 öffentlich einsehbare Kommentare auf OpenPetition (Stand: Februar 2026).
Themen-Kategorisierung: Die Kommentare wurden analysiert und Themenfeldern zugeordnet. Die Prozentzahlen geben an, in wie vielen der 630 Kommentare das jeweilige Thema erwähnt wird.
"~93% nicht grundsätzlich gegen Windkraft": Erfasst wurden Kommentare mit Formulierungen wie "nicht gegen Windkraft an sich", "Windkraft ja, aber...", "bin für Energiewende, jedoch..." oder sinngemäß ähnliche Einschränkungen. Bei einigen Kommentaren war keine eindeutige Zuordnung möglich.
Einschränkung: Die Kategorisierung erfolgte nach bestem Wissen. Bei Grenzfällen wurde im Zweifel nicht gezählt. Die Rohdaten (alle 630 Kommentare) sind auf OpenPetition öffentlich einsehbar.
1. Landschaft & Heimatgefühl (35%)
Was geschrieben wird
"Münsterländische Parklandschaft zerstört"
"Die Baumberge sind ein Juwel"
"Jahrhundertealte Kulturlandschaft"
Einordnung
Das ist das mit Abstand häufigste Argument. Windenergieanlagen verändern das Landschaftsbild - das ist unbestritten. Ob man das als "Verschandelung" oder als akzeptablen Wandel empfindet, ist eine subjektive Bewertung, über die man unterschiedlicher Meinung sein kann.
Die Baumberge sind als LandschaftsschutzgebietWeniger streng als Naturschutzgebiet. Schützt das Landschaftsbild, erlaubt aber unter Auflagen Bauprojekte wie Windenergieanlagen. (nicht Naturschutzgebiet) ausgewiesen. Der Regionalplan Münsterland schützt die südlichen Höhenlagen - die geplanten WEA-Standorte liegen laut Kreis Coesfeld nicht in diesen besonders geschützten Bereichen.
2. Bürgerbeteiligung (21%)
Was geschrieben wird
"Von Politik übergangen"
"Entscheidungen über unsere Köpfe hinweg"
"Volksentscheid nötig"
Einordnung
Der Wunsch nach Mitsprache ist ein legitimes demokratisches Anliegen.
Was stattfand:
- Öffentliche Ratssitzungen zum Thema
- Informationsveranstaltungen (z.B. Windmesse November 2025)
- Bürgerfragestunden
- Die Genehmigung erfolgt durch den Kreis Coesfeld mit öffentlicher Auslegung
Was nicht stattfand:
- Ein Bürgerentscheid (rechtlich bei Genehmigungsverfahren nicht vorgesehen)
Die Forderung nach mehr Transparenz und frühzeitiger Information ist nachvollziehbar - auch wenn die formalen Beteiligungsverfahren eingehalten werden.
3. "Münster soll selbst bauen" (17%)
Was geschrieben wird
"Stadtwerke Münster soll im eigenen Gebiet bauen"
"Münster wählt grün, will Konsequenzen nicht tragen"
"Profit für Münster auf unsere Kosten"
Faktencheck
| Münster | Nottuln | |
|---|---|---|
| Einwohner | ~320.000 | ~20.000 |
| Fläche | 303 km² | 86 km² |
| WEA aktuell | 33-34 | 9 |
| WEA geplant | weitere in Planung | 18 (inkl. Repowering) |
Münster hat bereits 34 Windenergieanlagen im Stadtgebiet und plant weitere (z.B. in Albachten, Roxel, Amelsbüren). Die Aussage "Münster baut nicht bei sich" ist faktisch falsch.
Zum Vergleich - Einwohner pro WEA
| Gemeinde | WEA | Einwohner | Einwohner/WEA |
|---|---|---|---|
| München | 2 | 1.600.000 | 800.000 |
| Münster | 34 | 320.000 | 9.400 |
| Nottuln | 9 | 20.000 | 2.222 |
| Schipkau (Brandenburg) | 59 | 7.000 | 119 |
Die Zahlen zeigen eine große Spannbreite. Wo WEA gebaut werden, hängt von vielen Faktoren ab: Windverhältnisse, Abstände zu Siedlungen, Naturschutz, Flächenverfügbarkeit. Ein Vergleich "Einwohner pro WEA" zwischen Großstadt und ländlicher Gemeinde ist daher wenig aussagekräftig.
Die Stadtwerke Münster bauen auch außerhalb - in Sendenhorst, Dülmen, Warendorf-Milte. Das ist bei kommunalen Energieversorgern üblich und nicht spezifisch gegen Nottuln gerichtet.
Wichtig: Nicht nur Münster baut in Nottuln
Von den 18 geplanten WEA in Nottuln werden nur 7 von den Stadtwerken Münster betrieben. Die übrigen kommen von lokalen Bürgerwind-Gesellschaften (Bürgerwind Nottuln-Gladbeck, Bürgerwind Roruper Berg) und anderen Betreibern - insgesamt 7 verschiedene. Die "Münster exportiert Probleme"-Kritik trifft also nur auf einen Teil der Projekte zu.
Was stimmt:
Die finanziellen Vorteile (Gewerbesteuer, Pachteinnahmen) fließen bei Münster-Projekten überwiegend nach Münster. Allerdings: Das Bürgerenergiegesetz NRWLandesgesetz zur finanziellen Beteiligung von Kommunen und Bürgern an Windenergieanlagen. Gilt seit 2023. sieht vor, dass Gemeinden im 2.500m-Umkreis mit 0,2 ct/kWhBei einer typischen 6-MW-Anlage mit 2.500 Volllaststunden: ca. 30.000 € pro Jahr und Anlage für die Gemeinde. beteiligt werden.
4. Gesundheit & Lärm (17%)
Was geschrieben wird
"Infraschall schädigt das Gehirn"
"Lärmbelästigung, kein erholsamer Schlaf"
"Gesundheitliche Auswirkungen"
Faktencheck InfraschallSchall unterhalb von 20 Hz, für Menschen nicht hörbar. Entsteht auch natürlich durch Wind, Meereswellen oder im Auto.
Das Umweltbundesamt (UBA)Zentrale Umweltbehörde der Bundesrepublik Deutschland. Wissenschaftliche Fachbehörde des Bundesumweltministeriums. hat 2020 eine umfassende Studie veröffentlicht:
- Infraschall von WEA liegt unterhalb der Wahrnehmungsschwelle des Menschen
- In 300m Entfernung ist der Infraschallpegel vergleichbar mit natürlichen Quellen (Wind, Meer)
- Keine wissenschaftlichen Belege für Gesundheitsschäden durch WEA-Infraschall bei Einhaltung der Abstände
Quelle: Umweltbundesamt, "Lärmwirkungen von Infraschallimmissionen", 2020
Faktencheck Lärm
- WEA müssen die TA LärmTechnische Anleitung zum Schutz gegen Lärm. Bundesweit verbindliche Verwaltungsvorschrift mit Grenzwerten für verschiedene Gebietstypen. einhalten (nachts max. 40-45 dB(A) in Wohngebieten)
- Zum Vergleich: 40 dBDezibel (dB) misst die Lautstärke. 40 dB = leises Gespräch, 50 dB = normales Gespräch, 60 dB = Fernseher, 80 dB = Staubsauger. entspricht einem leisen Gespräch
- Die Genehmigung erfolgt nur bei Nachweis der Grenzwerteinhaltung
Was berechtigt ist:
Subjektives Lärmempfinden ist individuell verschieden. Manche Menschen reagieren empfindlicher. Die Sorge vor Beeinträchtigung ist nachvollziehbar, auch wenn die Grenzwerte eingehalten werden.
5. Artenschutz (13%)
Was geschrieben wird
"Vogel- und Fledermaussterben"
"Rotmilan gefährdet"
"Artenvielfalt gestört"
Einordnung
Artenschutz ist ein ernstzunehmendes Thema, das im Genehmigungsverfahren geprüft wird:
- Für jeden Standort werden artenschutzrechtliche Gutachten erstellt
- Bei Vorkommen geschützter Arten (z.B. Rotmilan) gelten Mindestabstände oder Abschaltzeiten
- Das LANUV NRWLandesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen. Fachbehörde für Umwelt- und Naturschutzfragen. führt ein Kataster der Brutvorkommen
Fakt: Windenergieanlagen können Vögel und Fledermäuse gefährden. Die Frage ist, ob die konkreten Standorte nach Prüfung genehmigungsfähig sind - das entscheidet der Kreis Coesfeld auf Basis der Gutachten, nicht die Betreiber.
6. Modellflugverein BMFC Nottuln (3%)
Was geschrieben wird
"Modellflugplatz gefährdet"
"Erhalt Modellfluganlage"
Die Situation
Der Modellflugplatz des BMFC Nottuln (Baumberger Modellflug-Club e.V., gegr. 1975, über 80 Mitglieder) liegt bei Stockum.
Entfernung zu den geplanten WEA:
- WEA 4: 226m
- WEA 3: 327m
- WEA 2: 366m
- WEA 1: 534m
In den Petition-Kommentaren äußern Vereinsmitglieder Bedenken bezüglich des Flugbetriebs. Ob und wie stark dieser durch die geplanten WEA eingeschränkt würde, müsste im Genehmigungsverfahren geprüft werden.
7. Immobilienwerte (5%)
Was geschrieben wird
"Wertminderung der Immobilien"
"Grundstückswerte sinken"
"Meine Altersvorsorge"
Was die Forschung sagt
Die RWI-StudieRWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung in Essen. Eines der führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute. (Ruhr Economic Paper #791, 2019) hat 2,7 Millionen Immobilienverkäufe ausgewertet:
- 7% durchschnittlicher Wertverlust im 1-km-Radius
- Bis zu 23% bei Häusern mit Baujahr vor 1950 im ländlichen Raum
- Ab 8-9 km Entfernung kein messbarer Effekt mehr
Das ist eine peer-reviewteVon unabhängigen Fachkollegen geprüft. Gilt als Qualitätsstandard in der Wissenschaft, um Fehler und unseriöse Methoden auszuschließen. wissenschaftliche Studie, keine Makler-Schätzung.
Quelle: Sunak & Madlener, "The impact of wind farms on property values: A locally weighted hedonic pricing model", RWI Essen, 2019
Was fällt auf?
Die Mehrheit ist nicht grundsätzlich gegen Windkraft
Viele Kommentare betonen ausdrücklich:
"Ich bin für erneuerbare Energien, aber bitte weiter weg"
"Klimaschutz ja, aber nicht so nah"
"Pro Windkraft, aber nicht in dieser Größe"
Etwa 7% der Kommentare lehnen Windkraft grundsätzlich ab ("Windkraft ist eine Lüge", "Zappelstrom", "Blackout-Gefahr").
Was lässt sich überprüfen?
| Behauptung | Prüfergebnis |
|---|---|
| "Münster baut nicht bei sich" | Falsch: 34 WEA im Stadtgebiet (stadt-muenster.de) |
| "Infraschall macht krank" | Wissenschaftlich nicht belegt (UBA 2020) |
| "Im Naturschutzgebiet" | Ungenau: Landschaftsschutzgebiet, Standorte nicht im geschützten Bereich |
| "Immobilienwerte sinken" | Richtig: 7% Ø, bis 23% bei Altbauten (RWI 2019) |
| "Modellflugverein gefährdet" | Nächste WEA 226m entfernt, Mitglieder äußern Bedenken |
Fazit
Die Petition zeigt unterschiedliche Sorgen:
Überprüfbar und berechtigt:
- Immobilienwerte: Wissenschaftlich belegter Wertverlust (7-23% je nach Haustyp)
- Wunsch nach mehr Beteiligung: Formale Verfahren wurden eingehalten, aber viele fühlen sich trotzdem nicht gehört
Einschränkungen möglich (ohne Bewertung):
- Modellflugverein: Nächste WEA 226m entfernt, Mitglieder äußern Bedenken
Überprüfbar, aber nicht korrekt:
- "Münster baut nicht bei sich": Münster hat 34 WEA
Subjektiv, nicht überprüfbar:
- Landschaftsempfinden
- Heimatgefühl
In ihren Kommentaren betonen ~93% der Unterzeichner, dass sie nicht grundsätzlich gegen Windkraft seien. Sie schreiben: "Ja, aber nicht so nah / nicht so hoch / nicht so viele." (Zur Methodik siehe oben)
Teil 4: Pro & Contra Argumente
Auf OpenPetition können Nutzer Pro- und Contra-Argumente einreichen. Insgesamt wurden 21 Beiträge veröffentlicht. Hier die wichtigsten Behauptungen – und was davon stimmt.
Pro-Argumente (für die Petition) – Faktencheck
Behauptung: "Alternative wären Flächen an A43, A31"
"Die Alternative zu den geplanten Standorten in Nottuln sind die Flächen entlang der Fernstraßen (z.B. A43, A31)."
⚠️ Nicht so einfach
Standortwahl hängt von vielen Faktoren ab: Windverhältnisse, Grundstücksverfügbarkeit (Eigentümer müssen zustimmen), Abstände zu Siedlungen, Naturschutz, Netzanschluss. Ob entlang der A43/A31 geeignete und verfügbare Flächen existieren, ist ohne konkrete Prüfung nicht belegbar.
Behauptung: "Rechtslücke wurde ausgenutzt"
"Nur weil es eine 'Rechtslücke' gab, heißt das ja noch nicht, dass es richtig ist."
ℹ️ Einordnung
Es handelte sich nicht um eine "Lücke", sondern um eine bewusste Gesetzesänderung: Das Wind-an-Land-Gesetz (2022) hob alte Regionalplan-Beschränkungen auf, um den Windkraft-Ausbau zu beschleunigen. Die Betreiber nutzten geltendes Recht – ob man das als "Ausnutzen" oder als "legales Handeln" bewertet, ist eine politische Frage.
Quelle: Wind-an-Land-Gesetz (BMWK)
Contra-Argumente (gegen die Petition) – Faktencheck
Behauptung: "3,5h Autofahrt = 27 Jahre neben Windrad" (Infraschall)
"Laut Uni Bayreuth entspricht 3,5h Autofahrt 27 Jahren in 300m Nähe zu einem Windrad."
✓ Korrekt
Diese Aussage stammt von Dr. Stefan Holzheu (Uni Bayreuth), der die BGR-Studie analysiert hat. Sie illustriert, wie gering die Infraschall-Belastung durch WEA im Vergleich zu Alltagsquellen ist.
Behauptung: "2-km-Schutzgürtel hat keine wissenschaftliche Grundlage"
"Der '2-km-Schutzgürtel' hat keine wissenschaftliche Grundlage. Was schützt, sind Immissionsgrenzwerte."
✓ Im Wesentlichen korrekt
In Deutschland schützt die TA Lärm (max. 40 dB nachts in Wohngebieten) die Anwohner – nicht pauschale Abstände. Moderne Anlagen halten diese Grenzwerte oft schon bei 500-800m ein. Ein 2-km-Abstand ist in Deutschland nicht Standard und würde Windkraft in dicht besiedelten Regionen stark einschränken. Andere Länder (z.B. Bayern mit 10H) haben andere Regelungen.
Behauptung: "Seit 15 Jahren öffentlich diskutiert"
"Über die Windenergieanlagen in Stockum wird schon seit 15 Jahren öffentlich diskutiert und informiert. Jede/r konnte alles wissen."
⚠️ Teilweise richtig
Es gab öffentliche Diskussionen in Ratssitzungen und Ausschüssen. Aber: Die Petition selbst (1.714 Unterschriften) und die Kommentare zeigen, dass viele Bürger sich nicht ausreichend informiert fühlten. Formale Beteiligung (Amtsblatt, Ausschüsse) ist nicht dasselbe wie aktive Bürgerinformation.
Beide Seiten haben hier einen Punkt: Information war verfügbar, aber nicht alle haben sie erreicht.
Behauptung: "Keine Belege für Gesundheitsschäden"
"Es gibt keine belastbaren wissenschaftlichen Belege, dass Windräder bei Einhaltung gesetzlicher Abstände gesundheitliche Schäden verursachen."
✓ Korrekt nach aktuellem Forschungsstand
Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hat 2023 eine Studie veröffentlicht, die keine negativen Gesundheitseffekte bei Einhaltung der Abstände nachweisen konnte.
Quelle: DIW Discussion Paper 2054 (2023)
Fazit: Was beide Seiten gemeinsam haben
- Beide Seiten betonen, nicht grundsätzlich gegen Windkraft zu sein
- Der Kernkonflikt ist Standortwahl und Verfahren, nicht Windkraft an sich
- Der Wunsch nach mehr Bürgerbeteiligung wird von beiden Seiten geteilt
Datengrundlage & Quellen
Petitionstext, 9 News-Meldungen und 630 Kommentare der OpenPetition "STOPP der Münsteraner Mega-Windräder in Nottuln", September 2025 - Januar 2026
- OpenPetition: Petition mit Text, News und Kommentaren
- OpenPetition: Nutzungsbedingungen (§1.4 - Falsche Tatsachenbehauptungen)
- OpenPetition: Pro & Contra Argumente (21 Beiträge)
- BMWK: Wind-an-Land-Gesetz (2022)
- Uni Bayreuth: Infraschall-Forschung (Dr. Stefan Holzheu)
- DIW Berlin: Gesundheitseffekte von Windkraft (2023)
- Stadt Münster: Windenergie im Stadtgebiet (34 WEA)
- Gemeinde Nottuln: Windenergie-Informationsseite (18 WEA, 7 Betreiber)
- Umweltbundesamt: Lärmwirkungen von Infraschallimmissionen (2020)
- Cleanthinking: BGR-Rechenfehler bei Infraschall aufgedeckt (2021)
- RWI Essen: Ruhr Economic Paper #791 - Immobilienwerte (2019)
- Wikipedia: Köln - Fläche 405 km², Münster - Fläche 303 km²
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