Häufige Fragen

Antworten auf die wichtigsten Fragen zu Windkraft in Nottuln – mit Quellen belegt.

Macht Infraschall von Windrädern krank?

Nach aktuellem wissenschaftlichen Stand: Nein. Das Umweltbundesamt und die Universität Bayreuth finden keine Belege für Gesundheitsschäden durch Infraschall von Windenergieanlagen.

Zum Vergleich: 3,5 Stunden Autofahrt setzen Sie mehr Infraschall aus als 27 Jahre Aufenthalt in 300m Nähe zu einem Windrad. Der Infraschall von Windrädern liegt deutlich unter der menschlichen Wahrnehmungsschwelle.

Quellen: Uni Bayreuth, Umweltbundesamt

Warum stehen Windräder manchmal still?

Windräder drehen sich nicht 24/7, weil Wind nicht konstant weht – das ist normal, nicht Verschwendung.

Onshore-Anlagen erreichen je nach Standort und Generation 1.800–3.200 VolllaststundenRechnerische Stunden pro Jahr, in denen eine Anlage mit voller Leistung laufen müsste, um die tatsächliche Jahresproduktion zu erreichen. pro Jahr (Fraunhofer ISE). Moderne Anlagen der 250m-Klasse erzielen im Schnitt bereits rund 2.500 Stunden – deutlich mehr als der Flottendurchschnitt aller ~28.700 Anlagen, der alte Kleinanlagen einschließt. Technische Verfügbarkeit: 98%. Nur 3,5% der erneuerbaren Energie wird wegen Netzengpässen abgeregelt (9,4 TWh in 2024). Das bedeutet: 96,5% werden genutzt.

Entschädigung bei Abregelung: Bei Netzengpässen erhalten Betreiber 95% Entschädigung für entgangene Einnahmen – 2024 waren das 554 Mio. €. Das klingt viel, ist aber <1% des Strommarktwerts. Das Problem ist nicht „zu viel Wind", sondern zu langsamer Netzausbau.

Lösung in Sicht: UltranetGleichstromleitung von NRW nach Baden-Württemberg. 2 GW Kapazität. (2026) und SuedLinkGrößtes deutsches Stromleitungsprojekt. Verbindet Windstrom aus dem Norden mit Verbrauchern im Süden. 4 GW Kapazität. (2028) schaffen neue Kapazitäten.

Quellen: Bundesnetzagentur, SuedLink, Ultranet

Sinkt mein Hauswert durch Windräder in der Nähe?

Die Studienlage zeigt ein differenziertes Bild:

Laut RWI-Studie (2019) verlieren Häuser innerhalb von 1 km Entfernung durchschnittlich 7% an Wert. Ältere Häuser (Baujahr vor 1950) im ländlichen Raum sind stärker betroffen – hier kann der Wertverlust bis zu 23% betragen. Häuser in Stadtrandlage verlieren dagegen kaum an Wert. Ab 8-9 km ist kein Effekt mehr messbar.

Neuere Erkenntnisse: Eine große US-Studie (Berkeley/PIK, PNAS 2024) untersuchte speziell Häuser mit direktem Blick auf Windräder. Ergebnis: Der Wertverlust peakt nach 3 Jahren und erholt sich dann. Für seit 2017 gebaute Anlagen war kein Effekt mehr messbar.

Einschränkung: Die RWI-Studie basiert auf Daten von 2007-2015, als Anlagen 100-150m hoch waren. Für moderne 250m-Anlagen gibt es noch keine vergleichbare Studie.

Quellen: RWI Essen (2019), PNAS (2024)

Bekommen Windräder Förderung, auch wenn sie nicht laufen?

Nein. Die EEG-VergütungVergütung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz. Gibt es ausschließlich für tatsächlich eingespeisten Strom. gibt es ausschließlich für tatsächlich eingespeisten Strom. Ohne Netzanschluss und Einspeisung gibt es keine Vergütung.

Rechtslage nach § 36e EEG:

  • Der Zuschlag für eine Windkraftanlage erlischt 36 Monate nach Erteilung, wenn die Anlage nicht in Betrieb genommen wurde
  • Verlängerung nur bei Klagen oder Insolvenz möglich, maximal 18 Monate zusätzlich
  • Maximale Frist also: 54 Monate (4,5 Jahre) – danach erlischt der Zuschlag

Was ist mit Entschädigungen? Bei „Abregelung" (Einspeisemanagement) erhalten angeschlossene Anlagen 95% der entgangenen Einnahmen. Das betrifft aber nur Anlagen, die bereits am Netz sind und wegen Netzengpässen vorübergehend heruntergefahren werden – etwas völlig anderes als „Förderung ohne Netzanschluss".

Quellen: §36e EEG, Einspeisemanagement erklärt

Was bekommt Nottuln von den Windrädern?

Nottuln profitiert von allen Windrädern im Gemeindegebiet:

  • 90% Gewerbesteuer fließt seit 2021 an die Standortgemeinde (§29 GewStG)
  • EEG-Beteiligung von 0,2 ct/kWh von allen WEA (§6 EEG). Allein aus Stockum (7 von 24 Anlagen): sechsstelliger Betrag/Jahr
  • Bürgerbeteiligung ab 500€ möglich (BürgEnG NRW)

Neu: Die Gemeinde hat die Gründung der „Nottuln.Wind GmbH" beschlossen (Februar 2026). Die Gesellschaft wird Beteiligungsmöglichkeiten für Bürger:innen verwalten und eine digitale Beteiligungsplattform bereitstellen. Interessenten können sich unter buergerwind@nottuln.de registrieren.

Betreiber in Nottuln: Stadtwerke Münster, Bürgerwind Nottuln-Gladbeck, Bürgerwind Roruper Berg u.a. Alle zahlen nach §6 EEG an die Gemeinde.

Quellen: §29 GewStG, §6 EEG, Stadtwerke Münster, Gemeinde Nottuln (SessionNet), nottuln.de/windenergie

Ist das Genehmigungsverfahren rechtmäßig?

Ja. Der Kreis Coesfeld hat in einer offiziellen Stellungnahme bestätigt, dass das Verfahren rechtmäßig ist.

Die bisherigen Vorbescheide prüfen nur die grundsätzliche planungsrechtliche Zulässigkeit. Das vollständige Genehmigungsverfahren mit Artenschutz, Lärmschutz und Umweltverträglichkeitsprüfung steht noch aus und wird 2026 erwartet.

Quelle: Kreis Coesfeld

Warum hat Nottuln den Flächennutzungsplan aufgehoben?

Weil die alte Planung rechtlich unwirksam war und das Bundesrecht sich geändert hat.

Die 45. FNPFlächennutzungsplan – legt fest, welche Flächen einer Gemeinde wie genutzt werden dürfen (Wohnen, Gewerbe, Landwirtschaft, Windenergie etc.).-Änderung (2004) wies zwei Konzentrationszonen für Windenergie aus (Buxtrup/Horst und Hastehausen). Das BVerwGBundesverwaltungsgericht – höchstes deutsches Verwaltungsgericht. stellte 2020 fest: Diese Änderung war wegen eines Bekanntmachungsmangels nie wirksam in Kraft getreten.

Gleichzeitig schaffte das Wind-an-Land-Gesetz (Juli 2022) die Steuerung über Konzentrationszonen nach §35 Abs. 3 Satz 3 BauGB ab. Konzentrationszonen-Planungen liefen zum 01.02.2024 aus.

Der Rat hat die Aufhebung mit breiter Mehrheit beschlossen:

  • Aufstellungsbeschluss: 21.06.2022 (18:5:3)
  • Ausschuss Planen und Bauen: 20.06.2023 (einstimmig 12:0:0)
  • Feststellungsbeschluss: 19.09.2023 (22:5:1)
  • Rechtskraft: 09.11.2023

Erklärtes Ziel der Aufhebung: „Der Windenergienutzung im Gemeindegebiet mehr Raum geben." Das Moratorium nach §36a LPlG NRW trat erst am 15.02.2025 in Kraft – also über ein Jahr nach der FNP-Aufhebung.

Quellen: Vorlage 126/2023 (SessionNet), Zusammenfassende Erklärung 86. FNP-Änderung (PDF), Kreis Coesfeld

Warum fordern manche einen 2-km-Abstand?

Die Forderung klingt einleuchtend, hat aber keine wissenschaftliche Grundlage.

Was Anwohner tatsächlich schützt, sind Immissionsgrenzwerte: je nach Gebietstyp 35-45 dB(A) nachts (TA Lärm), max. 8h Schattenwurf pro Jahr. Im ländlichen Außenbereich, wo die meisten Windräder stehen, gelten 45 dB(A). Welcher Wert für ein Grundstück gilt, ergibt sich aus dem Bebauungsplan.

Der 1000m-Mindestabstand in NRW wurde im August 2023 abgeschafft.

Quelle: UBA: TA Lärm

Töten Windräder viele Vögel?

Windräder töten in Deutschland etwa 100.000 Vögel pro Jahr. Das klingt viel, ist aber im Vergleich wenig:

  • Glasscheiben: 100-115 Millionen
  • Katzen: 20-100 Millionen
  • Straßenverkehr: 70 Millionen

Windkraft verursacht damit <0,1% der Vogeltode. Für Greifvögel wie den Rotmilan ist die Situation differenzierter – siehe nächste Frage.

Quelle: NABU

Was ist mit dem Rotmilan?

Der RotmilanGreifvogel mit gegabeltem Schwanz. Deutschland beherbergt über 50% des weltweiten Bestands. ist ein häufiges Argument gegen Windkraft. Die Wissenschaft zeigt ein differenziertes Bild:

Flughöhen: Der Rotmilan fliegt beim Suchflug (Beutesuche) im Mittel etwa 40m hoch, selten über 80m. Bei einer 266m-Anlage liegt die Rotorunterkante bei etwa 96m – meist fliegt er also unterhalb der Rotoren.

Aber: Während der Balzzeit fliegen Rotmilane höher. Eine Telemetriestudie zeigt: 18-29% der Flüge finden dann in Rotorhöhe (80-250m) statt.

Schutzmaßnahmen:

  • 1.500m Mindestabstand zu Horsten (Helgoländer PapierFachliche Empfehlung der Länderarbeitsgemeinschaft der Vogelschutzwarten zu Abständen zwischen WEA und Vogellebensräumen.)
  • Automatische Abschaltsysteme (IdentiFlight, BirdVision) erkennen Greifvögel per Kamera

Europäische Langzeitstudie (Skrabal et al. 2025, Biological Conservation, 11 Jahre, 3.000 besenderte Rotmilane): Je höher die Rotorblätter angebracht sind (Rotor-Boden-AbstandAbstand zwischen dem tiefsten Punkt der Rotorblätter und dem Boden. Auch „Clearance" genannt.), desto weniger Kollisionen. Aber: Größere Rotordurchmesser erhöhen das Risiko. Entscheidend ist nicht die Gesamthöhe, sondern das Verhältnis von Nabenhöhe zu Rotordurchmesser.

Todesursachen: Das EU-Projekt LIFE EUROKITEEU-Projekt (2019–2027) zum Schutz des Rotmilans. Über 3.000 Tiere in 12 Ländern mit GPS-Sendern ausgestattet. erfasst systematisch, woran besenderte Rotmilane sterben. Zwischenergebnisse für Deutschland (n=121): natürliche Fressfeinde (41%), Schienenverkehr (12%), Straßenverkehr (10%), WEA-Kollisionen (8%). WEA sind damit ein relevanter, aber nicht der größte Faktor. (Zwischenergebnisse; peer-reviewed Publikation zur Todesursachen-Rangfolge steht noch aus.)

Quellen: Skrabal et al. 2025 / Schweizer Vogelwarte, Biologische Station Paderborn, LIFE EUROKITE

Sind Fledermäuse durch Windräder gefährdet?

Flughöhen: 95% aller Fledermausflüge finden unter 144m statt (Leibniz-IZW). Die meisten Arten jagen unter 40m (Baumwipfelhöhe). Bei 266m-Anlagen mit Rotorunterkante bei ~96m gibt es zwar Überschneidungen, aber die meisten bodennah fliegenden Arten sind nicht betroffen.

Wirksamer Schutz: Moderne Windräder werden bei niedrigen Windgeschwindigkeiten (<8 m/s) und hoher Fledermausaktivität abgeschaltet. Bei Anlagen mit solcher Betriebssteuerung wurden in Studien kaum noch Schlagopfer gefunden.

Ertragsverlust: Nur 1-4% – ein kleiner Preis für effektiven Artenschutz.

Quellen: NABU MV / Leibniz-IZW, Leibniz-Gemeinschaft

Stören Windräder Zugvögel wie Kraniche und Gänse?

Flughöhe: KranicheGrus grus – Großvogel mit bis zu 2,2m Flügelspannweite. Zieht auf dem westeuropäischen Zugweg über das Münsterland. fliegen über Deutschland typischerweise auf 50–250m Höhe (NABU) – nach der Ostseeüberquerung verlieren sie an Höhe. Der RotorbereichBei einer 266m-Anlage: Rotorunterkante ~96m, Rotoroberkante ~266m. einer 266m-Anlage liegt bei 96–266m – Flughöhe und Rotorbereich überschneiden sich also. Über die gesamte Zugroute gemittelt liegt die Flughöhe bei ~300mGPS-Studie mit 7 besenderten Kranichen (kraniche.de). Kleine Stichprobe. (kraniche.de). Bei Schlechtwetter (Nebel, tiefe Wolken) steigt das Kollisionsrisiko zusätzlich, weil die Sicht eingeschränkt ist.

Dokumentierte Kollisionen: Seit 2002 wurden in ganz Deutschland 54 Kranich-Schlagopfer dokumentiert (Vogelschutzwarte BrandenburgStaatliche Fachbehörde, die seit 2002 eine zentrale Schlagopferkartei für ganz Deutschland führt (Tobias Dürr).) – bei Hunderttausenden Kranichen auf dem Zugweg und über 28.000 Windrädern. Die Behörde stuft die Kollisionsgefährdung als „sehr gering" ein. Auch bei WildgänsenVor allem Bläss- und Saatgänse. 120.000–200.000 Blässgänse überwintern jährlich in NRW.: 4 Blässgans-Funde deutschlandweit.

Ausweichverhalten: Zugvögel meiden Windräder aktiv. Kraniche weichen einzelnen Anlagen kleinräumig aus, Gänse umfliegen ganze Windparks. Eine Studie der Uni Glasgow berechnete die Energiekosten eines Umwegs: 0,04% der Zugstrecke – energetisch nicht messbar (Masden et al. 2009, ICES Journal of Marine Science).

Aber – Lebensraumverlust: Die Hauptgefährdung liegt nicht in Kollisionen, sondern in der Meidung von Rastflächen. Gänse meiden Nahrungsgebiete im Umkreis von 200–600m um Windräder (je nach Studie und Art). Deshalb ist die Standortwahl entscheidend: Windräder sollten nicht in der Nähe wichtiger Rast- und Nahrungsgebiete stehen (Hötker et al., Michael-Otto-Institut/BfN).

Münsterland: An guten Tagen ziehen bis zu 50.000 Kraniche über NRW (NABU NRW). Schutzmaßnahmen: In Norddeutschland gibt es eine ehrenamtliche „Kranich-Meldekette" (NABU) für temporäre Abschaltungen bei Massenzug. In NRW gilt ein 1.000m-Ausschlussbereich um Kranich-Brutplätze.

Quellen: LfU Brandenburg, KNE, NABU, kraniche.de, NABU NRW, Masden et al. 2009

Wie viel Schatten werfen Windräder?

Die gesetzlichen Grenzwerte (LAILänderausschuss für Immissionsschutz – das Gremium der Bundesländer, das einheitliche Umweltschutz-Richtlinien erarbeitet.-Hinweise) erlauben maximal 30 Stunden astronomisch möglichenTheoretisches Maximum: Berechnet unter der Annahme, dass die Sonne immer scheint (keine Wolken) und der Rotor immer senkrecht zur Sonne steht. In der Realität deutlich weniger. Schattenwurf pro Jahr und 30 Minuten pro Tag.

Durch Abschaltautomatik wird die tatsächliche Beschattung auf maximal 8 Stunden pro Jahr begrenzt. Das entspricht weniger als 1 Minute pro Tag im Durchschnitt.

Quelle: LAI-Hinweise (PDF)

Brauchen wir wirklich mehr Windkraft?

Ja. 2024 stammten 59% des deutschen Stroms aus erneuerbaren Quellen, 41% noch aus fossilen. Das Klimaziel bis 2030: 80% aus heimischer Erzeugung (EEG 2023).

Hinzu kommt steigender Strombedarf durch E-Autos und Wärmepumpen. Deutschland importiert zudem 70% seiner Energie für etwa 70 Milliarden Euro jährlich - heimische Windkraft reduziert diese Abhängigkeit.

Häufiges Missverständnis: Manchmal heißt es, Erneuerbare deckten "nur 22% des Energiebedarfs". Diese Zahl bezieht sich auf den gesamten EndenergieverbrauchStrom + Wärme + Verkehr zusammen. Strom macht davon etwa 25% aus, Wärme ~50%, Verkehr ~25%. (Strom + Wärme + Verkehr). Windräder erzeugen aber Strom - und dort stieg der EE-Anteil von 46% (2020) auf 59% (2024). Dass Wärme (18% EE) und Verkehr (7% EE) hinterherhinken, liegt nicht an zu vielen Windrädern, sondern an zu wenig Wärmepumpen und E-Autos.

Quellen: Destatis, EEG 2023, UBA

Warum nicht an der Autobahn bauen?

Diese Frage wird oft gestellt – die Antwort ist differenzierter als erwartet:

Rechtlich ist es möglich: Nach § 9 FStrGBundesfernstraßengesetz – regelt u.a. Bauverbote und -beschränkungen entlang von Autobahnen und Bundesstraßen. gilt nur ein 40m-Bauverbot direkt neben Autobahnen, darüber hinaus eine 100m-Beschränkungszone. Für Windräder, bei denen nur der Rotor in diese Zone ragt, gelten die Beschränkungen nicht. Das OVGOberverwaltungsgericht – zweite Instanz der Verwaltungsgerichtsbarkeit, entscheidet über Berufungen gegen Urteile der Verwaltungsgerichte. Berlin-Brandenburg hat 2024 eine Anlage mit nur 110m Abstand zur A12 genehmigt.

Aber: Auch entlang der Autobahn müssen Mindestabstände zu Wohnhäusern (auch einzelnen Höfen) eingehalten werden. Zudem spielen bei der Standortwahl weitere Faktoren eine Rolle: Windverhältnisse, Netzanschluss, Naturschutz und vor allem die Flächenverfügbarkeit – die Grundstücke müssen vom Eigentümer bereitgestellt werden.

Die geplanten Standorte wurden im Regionalplan Münsterland nach Eignungskriterien ausgewählt und von den Grundstückseigentümern angeboten.

Quellen: §9 FStrG, OVG Berlin-Brandenburg 2024, Regionalplan Münsterland

Warum bauen die Stadtwerke Münster nicht in Münster?

Kurze Antwort: Sie bauen beides. Die Stadtwerke Münster betreiben Windräder in Münster und im Umland – und in Nottuln sind sie nur einer von vielen Betreibern.

Windkraft im Stadtgebiet Münster:

  • 33–34 Windräder stehen bereits im Stadtgebiet
  • Stadtteile mit Windrädern: Amelsbüren, Roxel, Nienberge, St. Mauritz, Wolbeck
  • In Albachten läuft aktuell ein Planungsverfahren

Stadtwerke Münster – aktueller Stand:

  • 21 eigene Anlagen zwischen Borkum und dem Münsterland
  • Davon in Münster: Anlagen in Roxel und Amelsbüren
  • Ziel: Verdopplung bis 2030 auf ~280 GWh/Jahr

Weitere genehmigte Projekte der Stadtwerke:

  • Sendenhorst (~20 km): 6 WEA, 39,6 MW – IBN 2028
  • Dülmen: 5 WEA, 28 MW – IBN 2027
  • Warendorf-Milte: 4 WEA, 27,2 MW – IBN 2028
  • Lemgo: 1 WEA, 5,7 MW – IBN 2026

Warum auch Nottuln? Die Standortwahl hängt von mehreren Faktoren ab: Windverhältnisse, Netzanschluss, Naturschutz – und vor allem Flächenverfügbarkeit. In Nottuln haben Grundstückseigentümer ihre Flächen angeboten. Außerdem sind die Stadtwerke in Nottuln nur ein Betreiber unter vielen: Auch Bürgerwind Nottuln-Gladbeck, Bürgerwind Roruper Berg, Reckmann Energy und andere bauen hier.

Quellen: Stadtwerke Münster, Stadt Münster, Gemeinde Nottuln

Kosten Erneuerbare 3 Milliarden Euro?

Die oft zitierten „3 Milliarden" sind irreführend. 2,8 Mrd. Euro (2024) sind die Gesamtkosten für NetzengpassmanagementMaßnahmen der Netzbetreiber, um Engpässe im Stromnetz zu beheben - z.B. Kraftwerke hoch- oder runterfahren. Betrifft alle Energieträger, nicht nur Erneuerbare. - also alle Eingriffe ins Stromnetz, nicht nur bei Erneuerbaren.

Aufschlüsselung:

  • 554 Mio. Euro (20%) für EE-Abregelung (Entschädigungen an Wind- und Solarbetreiber)
  • ~2,25 Mrd. Euro (80%) für konventionelle Kraftwerke (Redispatch, Reservekraftwerke)

Pro Kopf: 554 Mio. Euro geteilt durch 83,5 Mio. Einwohner = etwa 7 Euro pro Person und Jahr für EE-Entschädigungen.

Wer zahlt? Diese Kosten werden über NetzentgelteTeil der Stromrechnung. Netzentgelte finanzieren Bau, Betrieb und Instandhaltung des Stromnetzes. Sie machen etwa 20-25% des Strompreises aus. auf der Stromrechnung bezahlt - nicht über Steuern. Es fließt kein Cent aus dem Bundeshaushalt.

Trend: Die Kosten sinken: 4,2 Mrd. (2022) - 3,3 Mrd. (2023) - 2,8 Mrd. (2024). Der Netzausbau (Ultranet 2026, SuedLink 2028) wird die Engpässe weiter reduzieren.

Zur Einordnung: 96,5% des erneuerbaren Stroms kommen beim Verbraucher an. Die Abregelungsverluste (3,5%) sind das Ergebnis eines Netzausbaus, der nicht mit dem Windkraft-Zubau Schritt gehalten hat.

Und das Netz ist stabil: 2024 lag die durchschnittliche Stromunterbrechung bei 11,7 Minuten pro Jahr - das deutsche Stromnetz gehört laut Bundesnetzagentur zu den zuverlässigsten in Europa. Trotz steigendem EE-Anteil gibt es laut BNetzA "keine negativen Tendenzen" bei der Versorgungssicherheit.

Quellen: SMARD Jahresbericht 2024, BNetzA SAIDI 2024

Ist Deutschland mit der Energiewende auf einem Sonderweg?

Nein - die Energiewende ist ein globaler Trend. Deutschland liegt beim EE-Anteil im europäischen Mittelfeld:

  • Dänemark: 79,7%
  • Portugal: 65,8%
  • Spanien: 59,7%
  • Deutschland: 54,1%Eurostat misst den EE-Anteil am Bruttostromverbrauch (inkl. Netzverluste und Eigenverbrauch). Destatis misst den Anteil an der Bruttostromerzeugung und kommt auf 59,4%. Beide Werte sind korrekt - unterschiedliche Methode, unterschiedliche Bezugsgröße.
  • Großbritannien: 50,8%
  • EU-Durchschnitt: 47,5%

(EE-Anteil am Bruttostromverbrauch 2024, Eurostat)

Europa baut aus: 16 von 19 EU-Ländern haben ihre Windausbauziele erhöht (Ember European Electricity Review). Die EU hat mit Richtlinie 2023/2413Erneuerbare-Energien-Richtlinie (RED III). Bindendes EU-Ziel: 42,5% EE-Anteil am Bruttoendenergieverbrauch bis 2030, mit dem Vorsatz 45% zu erreichen. ein bindendes Ziel von 42,5% EE bis 2030 beschlossen.

Global: 2024 wurden weltweit rund 585 GW neue EE-Kapazität installiert - das sind 92,5% aller neuen Stromerzeugungskapazitäten (IRENA). China allein installierte 277 GW Solar und 80 GW Wind in einem Jahr. Deutschland kam auf rund 19 GW.

Die Frage ist nicht, ob die Energiewende kommt - sondern ob Deutschland wirtschaftlich davon profitiert oder anderen die Technologieführerschaft überlässt.

Quellen: Eurostat (Jan 2026), IRENA Renewable Capacity Statistics 2025, Ember European Electricity Review 2025

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